BEWERTEN
 

The Ataris

»Welcome The Night«

[Sequel / Sanctuary / Rough Trade / VÖ: 02.03.2007 ]

Text: Thomas Renz

Ende August 2003, kurz nach der Veröffentlichung ihres ersten Albums auf einem Major-Label, spielten The Ataris einige Konzerte in Deutschland, die meist damit endeten, dass Sänger Kristopher Roe mit einer Akustikgitarre an den Bühnenrand trat, um seiner Freundin einen Song zu widmen. Ein Jahr später war nicht nur seine Beziehung, sondern auch seine Band am nahezu ununterbrochenen Touren zerbrochen. Roe tat damals das, was wohl jeder von uns in einer solchen Situation schon einmal gemacht hat: Er zog sich zurück und schüttete sich zu. Zum Leidwesen des neuen Albums allerdings nicht mit Alkohol, sondern mit Studioeffekten und Streichern. „Welcome The Night“ ist derart aufgedunsen, dass man die Ataris kaum noch wiedererkennt. Dass man von dieser traurigen Tatsache seltsam unberührt bleibt, mag an der Gefühlskälte liegen, die mit jedem Jahr mehr von einem Besitz ergreift und unter der auch Roe leidet. „I’m not capable of love / That kind of love / That I felt when I was 21“, jammert dieser einmal. Viel mehr als an der therapeutischen Entwicklung vom Punk zum eitlen Alternative Rock stört man sich also am dumpfen Selbstmitleid, mit dem hier Vergangenheit bewältigt werden soll. „Welcome The Night“ ist eine Platte, von der wohl nur Roe selbst etwas hat. Denn sogar das, was man an den Ataris im Jahr 2007 am meisten vermisst, wurde schon auf dem Vorgängeralbum beschrieben: „There were choruses and sing-alongs and that unspoken feeling of knowing that right now is all that matters.“




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