BEWERTEN
 

Idlewild

»Make Another World«

[Sequel / Rough Trade / VÖ: 02.03.2007 ]

Text: Markus Meske

Ob es daran liegt, dass sie es, zumindest, was den kommerziellen Erfolg angeht, bislang nie ganz in die 1. Liga der britischen Rockbands geschafft haben? Irgendwie wirken Idlewild auch auf ihrem fünften Album „Make Another World“ noch lange nicht so eingefahren wie manch andere Kapelle bereits ab Platte Nummer zwei oder drei. Dabei gehen die Schotten mittlerweile auch schon ins zwölfte Jahr ihrer Bandgeschichte. Allerdings hat sich vor den Aufnahmen zum neuen Album einiges getan: Idlewild wechselten vom Major Emi zu einem Indielabel, am Bass gab es einen Besetzungswechsel, und Sänger Roddy Woomble veröffentlichte letztes Jahr ein Soloalbum, auf dem er seine Liebe zu akustischeren Klängen und Folk mit ganzer Hingabe ausleben konnte. Damit scheint die eher seichte Phase, die noch das letzte reguläre Idlewild-Album „Warnings / Promises“ geprägt hatte, nun abgeschlossen zu sein. „Make Another World“ hat zwar vor allem in der zweiten Albumhälfte auch ruhige und getragene Momente wie im wunderschönen, von sanften Bläsern veredelten „Future Works“, aber insgesamt ist das Album doch wieder um einiges rauer ausgefallen. Und mit der ersten Single „No Emotion“ haben Idlewild auch wieder einen echten Hit im Angebot, der sich selbst vor älteren Krachern wie „You Held The World In Your Arms“ nicht zu verstecken braucht. Mal nachhaken bei Sänger Roddy Woomble:
Neues Label, neue Besetzung, neues Album – was ist eigentlich noch alt an Idlewild?
Ich selbst. Ich glaube, ich bin mittlerweile der Dinosaurier bei Idlewild. Nein, im Ernst: Es gab viele Veränderungen, aber alle zum Guten, denke ich. Nach der letzten Tour hatten wir plötzlich keinen Plattendeal mehr, was allerdings positiv war, weil wir wieder frei waren. Dann ist unser Bassist Gary ausgestiegen, weil er einfach keine Lust mehr auf diesen Kreislauf aus Platte machen und auf Tour gehen hatte. Die neue Platte haben wir schließlich in unserem Proberaum in Edinburgh aufgenommen. Erst danach haben wir einen neuen Plattenvertrag bekommen. Es war komisch, aber wir fühlten uns plötzlich wieder wie eine ganz neue Band.
Trotz einiger Erfolge hat es für Idlewild für den ganz großen Durchbruch à la Snow Patrol bislang nicht gereicht. Habt ihr euch damit abgefunden?
Ich fühle mich ganz wohl in unserer Position. Ich bin Realist. Mir ist klar, dass es eine Million Bands gibt, die sich alle um diesen unsichtbaren Preis streiten, aber ich kann mit diesem Wettstreit nichts anfangen. Als Band haben wir uns musikalisch immer weiterentwickelt und mit jeder Platte unserer musikalischen Biografie neue Kapitel hinzugefügt. In Sachen Kreativität bin ich deshalb völlig zufrieden mit Idlewild. Ich habe die Möglichkeit, mit meinen Freunden zusammen zu sein und zu reisen. Aber es ist natürlich auch ein Geschäft, in dem alle Bands irgendwas erreichen wollen. Wenn man sich da zu sehr drauf einlässt, kann einen das schon runterziehen. Deshalb versuche ich mich da so weit wie möglich von fernzuhalten.
Ihr habt „Make Another World“ mit eigenem Risiko eingespielt, ohne bereits einen neuen Plattenvertrag in der Tasche zu haben. Hat das die Aufnahmen stark beeinflusst?
Es ging dieses Mal einfach viel schneller. Für „Warnings / Promises“ waren wir noch vier Monate in Los Angeles. Das war eine fantastische Zeit, und wir haben es uns gut gehen lassen in einem schönen Haus mit Pool. Wir haben das Geld der Plattenfirma verbraten, denn wir wussten, dass wir sowieso niemals so viele Platten verkaufen würden, wie die sich erhofften. Die sahen uns als Millionenseller, aber wir dachten nur: „Das klappt nie! Alle Welt hört gerade Franz Ferdinand und Bloc Party.“ Dagegen klangen wir wie die Eagles. Die neue Platte ist finanziell und auch musikalisch viel ökonomischer entstanden. Sobald etwas gut klang, haben wir es so gelassen. Wir haben schon hart gearbeitet, aber die eigentlichen Aufnahmen dauerten nur zwei Wochen. Unser Proberaum ist auch kein Ort, an dem man sich länger aufhalten will als nötig. Wir waren wirklich nur da, um zu arbeiten und zu proben. Ich glaube, dadurch hat die neue Platte auch wieder so eine gewisse Dringlichkeit.




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