BEWERTEN
 

Bobby Conn

»King For A Day«

[Thrill Jockey / Rough Trade / VÖ: 16.02.2007 ]

Text: Martin Büsser

Den “King For A Day” hatten wir hierzulande auch schon mal. Er hieß Rio Reiser, wollte “König von Deutschland” sein und ist nun zusammen mit grunzenden Schweinen in der Werbung gelandet. Bobby Conn weiß, dass politische Künstler an ihren eigenen Ansprüchen scheitern müssen, und nennt “King For A Day” deshalb gleich sein “Don-Quixote-Projekt”. Sein Soundtrack zu einem Full-length-Song-by-Song-Video nimmt es deshalb – um bei den krummen Vergleichen mit deutschen Künstlern zu bleiben – mehr mit Rocko Schamoni als mit Rio Reiser auf: Ironie, Glam, ausufernde Zitatwut und durchaus unterhaltsame Selbstinszenierung lassen fast vergessen, dass es sich bei Bobby Conn (auch) um einen politischen Songwriter handelt. Der Mann mit Hang zum Bombast, der locker zwischen funky Disco und Rockoper switchen kann, hat mit “King For A Day” sein vielleicht eklektizistischstes Album aufgenommen. Und das will etwas heißen, wenn man bedenkt, dass auch die Vorgänger schon mit den eigenartigsten musikalischen Verweisen vollgepackt waren. Wieder einmal ist ihm nichts heilig oder peinlich, die große Wurstmaschine verrührt Rock-Giganten wie Queen, T.Rex und Meat Loaf mit beschwingtem Swing, gibt etwas Minimal Music à la Moondog als Würze bei und versteigt sich an manchen Stellen zu halsbrecherischem Prog Rock, der King Crimson mit der Attitüde einer Hard-Rock-Band wiedergibt. Zugegeben, das liest sich auf dem Papier ganz schrecklich, doch Bobby Conn wäre nicht Bobby Conn, würde er das eigene Königreich nicht bis in die letzten Winkel gut regieren. Alles ist mit einem sexy Schmelz überzogen – nicht zuletzt dank Conns immer lasziver Stimme – und mit einem ironischen Anstrich versehen, dank dem selbst noch Jaul-Soli, die garantiert auf dreizackig designter Gitarre gespielt wurden, nicht nur witzig, sondern sogar richtig catchy klingen. “King For A Day” ist virtuoser Zitatpop ohne den permanenten Witz-Zwang von Ween und gleichzeitig mit Retro-Sounds gespeister Agitprop, ohne die Revolutions-Hausordnung von Make-Up gleich mitzuliefern. Oder einfach nur: ein musikalisches Kaleidoskop, das irre Spaß macht.




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