BEWERTEN
 

Danny Cohen

»Shades Of Dorian Gray«

[Anti- / SPV / VÖ: 09.02.2007 ]

Text: Martin Büsser

Über diesen Mann ist nur wenig bekannt. Ein guter Freund von Tom Waits sei er und mache angeblich schon seit mehr als 40 Jahren Musik. Auf John Zorns Tzadik-Label ist vor Jahren eine Compilation erschienen, die zwei Dekaden aus dem Schaffen des großen Unbekannten dokumentierte. Doch irgendwie ist auch das spurlos an der Welt vorbeigegangen. Ob das kleine Anti-Label da Abhilfe schafft, ist eher fraglich. Dabei hätte dieser eigensinnige Songwriter die ganz große Aufmerksamkeit verdient! Aufgrund seiner Vorliebe für New-Orleans-Beerdigungskapellen-Sounds werden viele Journalisten “Shades Of Dorian Gray” wahrscheinlich mit Tom Waits vergleichen – das ist dumm, weil musikalisch völlig falsch, mag aber wenigstens dem Verkauf helfen. Eher schon kommen so begnadete Außenseiter wie David Thomas (Pere Ubu) und – vor allem – Daniel Johnston in den Sinn, wenn schon Vergleiche nötig sind. Denn Dilettantismus ist eine Kunst, die auch Danny Cohen brillant beherrscht. Und hier ist in der Tat von Beherrschen die Rede. Danny Cohen ist keiner, der nichts kann, sondern ein – na, nennen wir das grässliche Wort – Vollblutmusiker, der genau weiß, an welchen Stellen es besser kommt, die Stimme eiern zu lassen oder einen Refrain zu verschlucken. Schon als Pimpf, nämlich 1961, soll Cohen aufmüpfige Lieder wie “Kill The Teacher” gesungen haben (damit wäre er, nicht Iggy Pop der Erfinder des Punk!), und dieser widerspenstige Geist ist ihm bis heute nicht abhandengekommen. Hierbei handelt es sich um eine echte Entdeckung (auch dem Rezensenten dieser Zeilen war Cohen bislang nur vom Hörensagen bekannt), die frecher und witziger ist als so manches, was in den letzten Jahren unter dem Schlagwort “Anti-Folk” beworben wurde.




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