The Book Of Daniel
»Songs For The Locust King«
[Riptide Recordings / Cargo / VÖ: 24.11.2006 ]
Text:
andreas schnell
Erinnert sich jemand ans Bear Quartet? Jene Schweden, die ihren delikat rustikalen, eklektischen Gitarren-Pop gern mit berührenden Texten über die Nöte des Proletariats versahen? Als ich “Songs For The Locust King” zuerst hörte, war ich mir beinah sicher, es müsse sich um einen Ableger der Genannten handeln. Die Stimme, die Arrangements – und aus Schweden kommt diese Platte auch. Allerdings handelt es sich dabei um ein erstaunlich reifes Debüt des großen Bruders von Boy Omega. Inspiriert nach eigenen Angaben von Rufus Wainwright, Van Morrison, Tom Waits, Miles Davis und Nina Simone, wobei die drei Erstgenannten durchaus offensichtlich sind. Natürlich hat Daniel Ingemar Gustafsson nicht das Organ von Waits (wozu man ihn ja eigentlich auch eher beglückwünschen möchte), doch manche Stimmungen, ein gelegentlicher Jazz-Einfluss erinnern an Waits’ Frühwerk. Aber da ist mehr. Ohne Pomp und Kitsch entfaltet Gustafsson hier ein Erzählwerk, das übrigens weit näher an der Erhabenheit Wainwrights ist, an der Transzendenz Van Morrisons als an der immer wieder ins Politische driftenden Lyrik des Bear Quartets – angesichts dieser wundervollen Musik indes ein verzeihbarer Makel.
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