The Court & Spark
»Hearts«
[Absolutely Kosher / Cargo / VÖ: 03.02.2005 ]
Text:
Tobias Mull
Auf Seite 723 des Buches “Plattenkritiken schreiben leicht gemacht”, das irgendeinem bebrillten Popkritikerpferd letztens im Zug nach Berlin aus dem Eastpak gefallen ist und das ich heimlich aufheben konnte, steht, dass es ein gangbarer Weg sei, bei Besprechungen Vergleiche zu anderen Künstlern zu ziehen. Gut, ich sollte ein wenig vorsichtig damit sein, bin ich doch der einzige Mensch auf der Welt, der denkt, dass sich der Sänger von Dredg verdammt genau wie der Sänger von Fury In The Slaughterhouse anhört. Und zu dieser Aussage habe ich mir schon etliches selbst anhören müssen. Aber bei dem vierten Album des kalifornischen Quintetts The Court & Spark gehe ich mal aus der Deckung und hau einen raus: Das Album klingt, als hätten Crazy Horse und Brian Eno mit Lloyd Cole als Sänger und Jim O’Rourke als Produzenten ein Album aufgenommen. Es erinnert auch irgendwie an Youngs “Tonight’s The Night”, nur ohne die Drogen und die daraus resultierende Verzweiflung. Aber ähnlich lethargisch. Und mit diesem eigentümlichen Südstaatenrock-Sound inklusive kalifornischer Strandrelaxtheit. Mal perlt ein Piano kleine Melodien, mal quengelt die Gitarre, mal spielt sie, nun ja, kernige Riffs. Dazu gibt es Textzeilen wie “You’re my lover but no friend”. Doch von irgendwoher kommt dann ein zarter Sonnenstrahl. So richtig deprimiert klingt Sänger und Songschreiber M.C. Taylor nämlich nicht. Müde, angeschlagen, traurig, aber nicht verzweifelt – und eben ein wenig wie Lloyd Cole. Aber natürlich mit Stetson. Oder fleckiger Truckerkappe. Dazu passen der Honky-Tonk-Schlager “Your Mother Was The Lightning” mit seinen fröhlich putzigen Background-Oohs und die an Crosby, Stills & Nash gemahnenden Gesänge von “High Life”. Am Ende steht “The Ballad Of Horselover Fat”. Ein psychedelischer Abgesang, Cosmic American Music. “As a man I fade away”, singt Taylor mantrahaft, und seine Mannen beerdigen den Song auf die extra langsame Weise. Wie sagte ein Musikkritiker vom Onlinemag Lost At Sea: “This is one of the best southern rock albums ever made by a Californian band.” Genau. Zitate sind halt noch einfacher als Vergleiche. Steht gleich eine Seite weiter.
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