Diverse
»Batschkapp 30 Jahre 76/06«
[Emi / VÖ: 07.02.2007 ]
Text:
linus volkmann
Um die Batschkapp zu kennen, muss man nun wirklich kein Hesse sein. Der äußerlich wie von innen wenig spektakuläre Auftrittsort – nicht mal im Herzen, sondern eher autofahrerfreundlich in der Peripherie von Frankfurt gelegen – ist trotzdem der Rede wert. Denn er ist, ja, quasi seine eigene Legende. Allein schon mal durchs bloße Überdauern. Und natürlich durch den Gründungsmythos: Erstritten Mitte der Siebziger, zu Hochzeiten des autonomen Häuserkampfs, zu Zeiten von Joschka Fischers Putztruppe und Ähnlichem. Frankfurt war eine Hochburg alternativer Lebensentwürfe nach dem Ende von 68. Dazu gehörten auch selbst verwaltete, selbst eroberte Räume. Mittlerweile ist das alles Stoff für den Kaminabend, an dem Opa von besseren Tagen erzählt, und die Kapp, wie sie szeneintern heißt, ist ein kommerziell agierendes Unternehmen. Wie so viele andere Läden auch. Das darf keine Schande sein, gerade diese Entwicklung ist sicher auch ein großer Grund dafür, dass man überdauerte. Zum Jubiläum nun ein schön ausführliches Booklet zur alten Dame Batschkapp, angeliefert mit einer haltlos heterogenen Doppel-CD, völlig jahr- und stilübergreifend in der Songauswahl. Alles dabei schon tausend Mal gehört. Aber zumindest noch nicht in dieser abenteurlichen Kombination (Fehlfarben “Es geht voran”, Die Toten Hosen “Hier kommt Alex”, Spin Doctors “Two Princes”, Nightwish, Mando Diao, Robbie Williams, Subway To Sally, The Bangles u. a.). Glückwunsch, ihr Durchhalter! Und noch drei Fragen an Jochen Seufert:
Wären nicht Live-Versionen der Stücke passender gewesen?
Das hätte nur wirklich Sinn gemacht, wenn die Liveaufnahmen in der Batschkapp gemacht worden wären. So was gibt es meines Wissens zwar – aber das sind Bootlegs.
Der Tonträgermarkt gilt ja als ziemlich eingebrochen. Was noch läuft für Bands ist: live spielen. Ist das für euch ein Vorteil, oder sind die Booking-Bedingungen daher auch rougher und teurer geworden?
Zunächst mal: Der Live-Markt ist eigentlich eher besser als schlechter geworden. Die Booking-Bedingungen werden allerdings von Jahr zu Jahr rauer und teurer, das hat aber damit zu tun, dass immer mehr Veranstalter und Veranstaltungsstätten auf den Markt drängen. Ein Teil davon (Veranstaltungsstätten) sind zu allem Überfluss noch durch Öffentliche Gelder subventioniert – was den Markt zusätzlich kaputt macht. Stimmt es, dass Joschka Fischer sich auch mal in der Batschkapp als Türsteher verdingt hat?
Nein. Joschka Fischer gehörte zum Kreis derjenigen, die an der Gründung der Batschkapp mehr oder weniger beteiligt waren, und war auch in den Jahren 76 bis 80 Stammgast. Das Türstehergerücht speist sich aus seiner aktiven Beteiligung an der gewaltsamen Auseinandersetzung mit örtlichen Skinheads und anderen Tunichtguten.
Welche Anekdote der Batschkapp ist bis dato noch (ziemlich) unerzählt? Dass die Damen von Rockbitch nach dem Auftritt zwischen Tourbus und Elfer (Kneipe unter der Batschkapp) einige männliche Gäste unter reger Beteiligung der Umstehenden vernascht haben.
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