Diverse
»Heavy Breathing Vol. 1&2. The Sounds Of Sex«
Text:
Sonja Eismann
Gut, dass das Verhandeln von Sex nicht immer den Doofen überlassen wird. Wäre ja noch schöner, wenn das Territorium – von Tittenblättchen, Hütern der binären Geschlechterordnung und Warenfetischisten völlig überreizt – für die Linke nichts hergäbe. Von denen mag ja angeblich der eine oder die andere auch manchmal gerne ins Bett. So freut man sich, den ersten Impuls “Aua, die nächste Stöhn-Lounge-Compilation” überspringend, über die (Linernotes-) Partizipation von den als diskursfähig bekannten Österreichern Fritz Ostermayer und Didi Neidhardt und den obskur-archivarischen Anspruch des Kompilators “IntimDJ Cpt. Schneider”. Der Blick auf die Tracklists der beiden ersten Sex-Sounds-CDs “Bite Me” und “Thrill Me” mit “Greasy Listening” und “Funky Pleasures”, denen noch “Stop It” (“Electronic Orgasms”) und “Touch Me” (“Disco Extravaganza”) folgen sollen, bestätigt dann auch, dass es hier in erster Linie darum geht, Connaisseur-like möglichst rare, abwegige Keuch-Nummern auszustellen: Außer Jean Seberg, Ike & Tina Turner, Grace Jones, Lil’ Kim, De La Soul und ein paar anderen “Intimate Strangers” ist wenig bekannt. Auch wenn sich die Begleittexte reichlich Mühe geben, die Songs zwischen den 50s und heute psychoanalytisch zu erden (“You know, having a phallus is something completely different from being the phallus”), mit “feminist self-empowerment” zu befüllen und mitunter vielleicht sogar ein wenig zu queeren, befremdet die Grundannahme doch: dass sich Sexiness ultimativ in Stöhnfrequenz quantifizieren lässt. Daher bleibt die Auswahl ein Angeber-Sammelsurium von “schweinischen” Obskuritäten, die durch ihre oberflächliche Definition von Sex und den Cheese-Charakter der Songs nur eine Identifikation durch das nervige Retro-Augenzwinkern ermöglicht, das sich über den Camp-Faktor erheitert. Ohne Letzteren bleibt man nämlich peinlich berührt von dem ständigen kommodifizierten Geächze innerhalb trashiger Stücke zurück, mit denen man musikästhetisch zumeist so gar nichts anfangen kann. Dass hier in den allermeisten Fällen wieder der weibliche Körper (bzw. seine Stöhnstimme) als Synonym für (Hetero-!) Sex und sämtliche damit einhergehende Projektionsflächen und Begehrlichkeiten herhalten muss, ist wenig überraschend, aber trotzdem enttäuschend. Wenn doch mal ein Mann zu hören ist, klingt dessen angestrengt-aggressives Keuchen eher wie beim Sumoringen oder beim Kacken. So z. B. bei Chaino And His African Percussion Safari, an dessen “The Jungle Chase” sich auch schön rassistische Sex-Stereotypen ablesen lassen. Sicher, Suzie Seacells munterer Song “Me And My Vibrator” über die Annehmlichkeiten des Solosex’ ist amüsant, aber generell gilt: Sexy ist das alles nun wirklich nicht.
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