Drei Farben House
»Any Kind Of Feeling«
[Forcetracks / Intergroove / VÖ: 22.09.2006 ]
Text:
arno raffeiner
Vor gar nicht allzu langer Zeit wurde die Idee neu beseelt, dass House Music die Zukunft des Pop sei. Zu Beginn des musikalischen Laptop-Zeitalters predigte das Frankfurter Label Forcetracks diese Heilsbotschaft mit großer Inbrunst und verströmte dazu den Weihrauch der Bits, Bytes und rhizomatischen Theorien. “Any Kind Of Feeling”, das Debütalbum von Michael Siegle alias Drei Farben House, wäre damals glatt als das “Sgt. Pepper’s” des Micro House durchgegangen. Es ist alles da: der verschachtelte Cyber-Funk, die warmen und satten Basslines, der Mut zu Harmonien und Gesang, verpackt in einer extrem aufgeräumten Produktion. Nach Kuhglocken-Disco, Retro-Techno und Neo-Minimal-Hype wirken die Tracks von Drei Farben House heute zwar nicht mehr ganz so weit vorne, aber eine Tatsache macht sie doch grundsympathisch: “Any Kind Of Feeling” gibt nicht vor, irgendetwas anderes sein zu wollen als eine Sammlung tanzbarer Popsongs. Songs, die im Kontrast ihrer dicken Bässe zu Siegles charmant dünner, manchmal an Erlend Øye erinnernder Stimme von privaten Momenten erzählen, vom Sich-Verlieren in Gefühlen, in Melodien und Rhythmen. Schade nur, dass mitunter die Perfektion der Sounds dem Charme ein klein wenig in die Quere kommt. Aber auch das ist Teil dieser alten Pop-House-Idee: Emotionen auf Hochglanz.
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