Chuck Dukowski Sextet
»Eat My Life«
[Nice And Friendly / Cargo / VÖ: 03.11.2006 ]
Text:
andreas schnell
Nachdem im Sommer 2003 Greg Ginn für ein Katzenbenefiz-Konzert Black Flag wieder aufleben ließ (Intro berichtete), fehlte nicht zuletzt einer: Chuck Dukowski, in den ersten Jahren Bassist der Band und lange Zeit Mitbetreiber des legendären SST-Labels. Ginn wusste vorab nicht mal etwas über seinen Verbleib zu berichten, was aber auch mit seiner Abgeschiedenheit vom Weltgeschehen zu tun haben mag. Die letzte Band von Dukowski, die ich mitbekam, waren UGM (das war 1994). Danach? Eine Recherche im Internet ergab nichts weiter Erhellendes. Nun ist er jedenfalls zurück, und “Eat My Life” ist genau das, was Greg Ginn nicht hinzubekommen scheint: ein neues SST-Album (auf anderem Label). Nicht nur gibt es ein Wiederhören mit Lynn Johnston (Universal Congress Of, Cruel Frederick), Bill Stinson (UGM), Joe Baiza (Saccharine Trust, Universal Congress Of) und Mario Lalli (Fatso Jetson) – Flea von den Peppers gibt übrigens auch ein kleines Gastspiel –, sondern auch eine verschrobene Mischung aus Jazz, Core (“My War” wird neu aufgelegt) und Funk. Das ist (heute) nicht die einst viel beschworene “Musik zur Zeit”, aber in Dukowskis Scheiß-auf-Pop-Attitüde und dem sperrigen Anachronismus nicht nur für alte Säcke erfreulich. Ein kleiner Einwand soll aber doch noch formuliert werden: Dass Sängerin Lora Norton Dukowskis significant other ist, erklärt vielleicht, warum der Gesang so weit im Vordergrund steht, bietet aber keine künstlerisch befriedigende Erklärung.
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