BEWERTEN
 

Chris Garneau

»Music For Tourists«

[Absolutely Kosher / Cargo / VÖ: 02.03.2007 ]

Text: Christian Steinbrink

Die Vielflieger setzen sich in unserer Kölner Afterworkdisco oft an unseren Tisch. Sie erzählen dann immer von ihren Reisen nach New York, sie sagen, dass der “Big Apple” eine “rastlose Stadt” sei, die niemals schläft. “Jaaa”, meinen wir Popexperten dann, “aber wieso kommt von dort denn oft diese behutsame, in sich gekehrte Musik, Stichwort ‘Antony’, du verstehst schon?” Darauf wissen diese Businesstypen nie eine Antwort. Und jetzt haben wir sogar noch ein weiteres stichhaltiges Argument, das ihnen den Wind vollends aus den Segeln nehmen wird. Nämlich Chris Garneau. Ein Einsiedler aus Brooklyn, der sensible Balladen mit heller Stimme singt und dazu Klavier spielt. Zwar nicht so exaltiert wie Kopfstimmen-Antony, eher so die Indierock-Variante, aber trotzdem unheimlich soft, ohne abgeschmackt zu sein. Garneau ist ein Neuling auf dem Indielabel Absolutely Kosher, schreibt sehr komplexe Stücke, garniert sie mit ein paar Streichern und anderen gehaltvollen Instrumenten und singt dazu in diversen Stimmungen. Er setzt sich damit zwischen so verschieden hohe Stühle wie die von Tori Amos, Rufus Wainwright und Mark Hollis solo, er findet seine Nische und besetzt sie so selbstverständlich, dass man sich fragt, warum die leere Stelle zuvor nie aufgefallen ist. “Music For Tourists” ist eine Platte mit einer widerständigen, unerhört schönen Atmosphäre, die für Aufsehen sorgen wird. Auch wenn Garneau keine medial so dankbar vermittelbare Person wie Antony zu sein scheint, sondern eher die introvertierte Type. Aber das wird ihm hoffentlich nicht im Wege stehen.




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