BEWERTEN
 

Geschmeido

»Auf Wiedersehen«

[Tapete / Indigo / VÖ: 02.02.2007 ]

Text: Lutz Happel

Die Zeit der niedlichen Miniaturen über S-Bahn-Sitzaufschlitzer (vom ersten Album “Zwischen den Mahlzeiten”) ist vorbei. Das dritte und gleichzeitig erste Geschmeido-Album auf Tapete Records versucht sich an größeren Gesten: “Du kommst wieder, denn du warst nie da, nur eine Nacht im Schein deiner Liebe.” Das ist triefende Romantik, die sich versteckt augenblinzelnd selbst ein bisschen auf den Arm nimmt. Eine halberwachsene Abgeklärtheit durchweht die Platte, die immer einen gewissen Abstand zum Unmittelbaren, Direkten hält. Trashiger, direkter Garagensound ist mittlerweile passé. Musikalisch resultiert daraus ein eleganter geschliffener Gitarrenpop, der trotz deutscher Texte ein ganz großes Fass der englischsprachigen Verweisträchtigkeit aufmacht: Viel erinnert an die Talking Heads, an Prefab Sprout auch, und im Allgemeinen fühlt man sich von den Freiburgern mit Bestimmtheit in die weiße Soul-Pop-Geschichte der späten 70er und frühen 80er hineingeworfen. Das Schöne ist: Sie scheinen keine Angst davor zu haben, sondern drehen lieber noch ein bisschen mehr Hall rein. Das ist ein Phänomen: Das Pathos ist gewaltig, trotzdem gibt es hier kein Zerfließen in endgültiger Gefühlsduseligkeit und trotz enormer Vielfalt auch keinen Manierismus. Insgesamt ist das eine nachvollziehbare, angenehme und trotzdem überraschende Weiterentwicklung aus einer Indie-Rock-Vergangenheit heraus, als ewig kleiner Bruder einer Band namens Liquido. Und dann auch noch in Eigenregie mit allerhand Orgeln, Streichern und Gedöns selbst aufgenommen und im Studio mit Tobias Levin eingetütet. Das ist mutig und funktioniert ganz gut.




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