BEWERTEN
 

Kristin Hersh

»Learn To Sing Like A Star«

[4AD / Beggars Group / Indigo / VÖ: 02.02.2007 ]

Text: Marion Eberl

“Powerfrau, angry woman, rock mum” – bemüht bis peinlich klingt es aus offiziellen Biografien, die sich Kristin Hersh nähern wollen. Als Musikerin muss man eben so einiges aushalten. Ihren künstlerischen Weg begann Kristin als Sängerin und Gitarristin der Throwing Muses, die sie als Teenager in den 80er-Jahren gründete. Kommerziell wenig beachtet, erlangten die innerhalb der Indie/Alternative-Szene Kultstatus und gelten heute als Urgestein des US-College-Rock. Mit “Hips And Makers” gab Kristin Hersh 1994 ihr Solodebüt, welches sich nicht zuletzt aufgrund des Duetts mit R.E.M.s Michael Stipe ziemlich gut verkaufte und ihren Ruf als respektable Singer/Songwriterin begründete. Die Zeit verging weiter. Und mit “Learn To Sing Like A Star” veröffentlicht Kristin Hersh nun ihr siebtes Soloalbum, das in seiner Opulenz erst mal einen deutlichen Gegensatz zum sparsam instrumentierten Vorgängerwerk “The Grotto” markiert. Stimme und Gitarre bleiben zwar die zentralen Elemente, werden allerdings mit dichten Streichersätzen, Klavier und Backgroundchor als weiträumige, folkinspirierte Landschaften einer Rock-Symphonie inszeniert. Die harmonische Grundstimmung variiert zwischen luftiger Lieblichkeit, sehnsuchtsvoller Melancholie und orakelnder Düsternis, akzentuiert von Hershs zurückhaltendem Gesang. Immer gefüllt von einem Hauch Ruß, klingt ihre Stimme selten nach Rockgöre, eher leidenschaftlich auflehnend, bisweilen mädchenhaft verträumt. Die Texte folgen Hershs charakteristischer Lyrik und malen Bilder existenzieller Emotionen. Dabei entstehen schmeichelnde Rockballaden wie “Nerve Endings” oder der schwerelos schöne Indie-Pop-Song “Peggy Lee”, aber auch schlicht Momente des orchestralen Overkills. So rufen die aufwendigen Arrangements von beispielsweise “In Shock” oder “Winter” beinah beklemmende Assoziationen zu E-Musik-Klassikern in Rock hervor. Es bleibt ein Album, das sich auf einem schmalen Grat zwischen Gegenwartsferne und zeitloser Rockästhetik, zwischen Redundanz und betörender Intensität bewegt.




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