Milenasong
»Seven Sisters«
[Monika / Indigo / Hausmusik / Kompakt / VÖ: 05.01.2007 ]
Text:
Sonja Eismann
Wer denkt bei diesem Plattentitel nicht sofort an die renommierten sieben Frauencolleges an der amerikanischen Ostküste? Außer Hillary Clinton und Madeleine Albright, die beide das Seven-Sisters-College Wellesley absolviert haben, und mir – wahrscheinlich niemand. Es gäbe ja auch noch eine Menge anderer, mythisch (Plejaden!) bis geografisch aufgeladener Referenzen, die irgendwie besser zu dieser schwebenden Songwriterinnen-Platte passen als die Kaderschmieden für zielgerichtete Karrierefrauen und Feministinnen. Z. B. die sieben verschwisterten Wasserfälle im norwegischen Geirangerfjord oder die sieben Berge auf der Insel Alsten, die auch zu Norwegen gehört. Durch ihre slowenisch-norwegischen Eltern führt Milena, die ihre Kindheit in Süddeutschland, die Jugend aber in Oslo verbracht hat, diese elend zerfaserte Referenzschleife auch endlich wieder an ihren Anfang. Oder darf ich noch kurz erwähnen, dass auf dem Cover sieben Möwen durchs Bild fliegen? Nein?
Schon vor gut eineinhalb Jahren verwies die erste Milenasong-Rezension in der Rubrik “Heimspiel” auf die Nähe zu CocoRosie, die auch in Zusammenhang mit dem jetzt erschienenen Debütalbum, nach Jahren archivierter Vierspur-Tapes, wieder fällt. Ein Kompliment zwar, aber ein schiefes, denn wo CocoRosie quirky quäken, singt Milena, gerne auch in mehreren Spur-Lagen oder wie bei “Love Feel You Do” mit sanfter männlicher Begleitung, sphärisch und raumgreifend über Akustikgitarre, Streicher, effektive Beats und Synthie-Geklingel und -Gerausche. Auch eine Art von neuem Folk, klar, aber eher Ambient-Psychedelic-Hymno-Folk statt Neo- und damit ausgezeichnet zum Monika-Label passend.
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