Asmus Tietchens
»Monographie«
[Buch+CD / Auf Abwegen / Ludwig]
Text:
Martin Büsser
“Im Grunde genommen ist das alles sehr aussichtslos, was ich mache – nicht ästhetisch, aber ökonomisch”, erklärt Asmus Tietchens. Der seit den ausgehenden 1970ern unermüdlich arbeitende, Platte um Platte veröffentlichende Hamburger Musiker hat so ziemlich alle Moden kommen und gehen sehen und doch nie wirklich von einer profitiert. Obwohl Tietchens einer der Pioniere elektronischer Musik in Deutschland ist, ist es ihm wie seinem Kollegen Conrad Schnitzler ergangen: Pioniere, die ihrer Zeit um Jahre voraus sind, werden zwar gerne von einem kleinen Kreis zur Legende erklärt, doch das reicht meist nicht mal für die Butter auf dem Brot. Das nun vorliegende Buch – eine erweiterte Neuausgabe der erstmals 1999 veröffentlichten “Monographie” – mit Essays von Till Kniola, Marcel Beyer und zahlreichen O-Tönen von Asmus Tietchens sowie einer Diskografie des schier unüberschaubaren Outputs liest sich wie eine Festschrift. Wenigstens auf diesen knapp 300 Seiten wird Tietchens ordentlich für sein hoffentlich noch lange nicht abgeschlossenes Lebenswerk gewürdigt. Eine beigelegte CD mit Stücken aus den 1980er- und 1990er-Jahren gibt Einblick in den schwer fassbaren Klangkosmos des Musikers, der selbst darauf verzichtet, sich zu verorten. “Die Kategorien U und E sind Konstrukte der Beutelschneider”, merkt Tietchens im Buch lakonisch an. Ob man seine Musik nun Post-Industrial, Klangkunst, Musique Concrète oder schlicht Electronica nennen mag, ist daher auch ziemlich egal. So viel lässt sich allerdings sagen: Es handelt sich um abstrakte, bisweilen unbequeme, alles fordernde Klänge eines Einzelgängers, der historisch den Weg aus der Tradition von Stockhausen und Cluster über den Umweg von Industrial hinein in ein Niemandsland permanenter Klangforschung gegangen ist und der selbst noch während des Elektronik-Booms in den 1990ern zu harsch, zu hermetisch gearbeitet hat, um Einzug in die “cool club culture” zu finden. Doch weil Tietchens immer außen vor geblieben ist, haben sich er und eine Handvoll Gleichgesinnte wie Norbert Möslang oder Achim Wollscheid zugleich auch ihre künstlerische Radikalität bewahrt. Von “Integrität” wollen wir hier erst gar nicht reden, dennoch: Es ist beruhigend, um die Existenz solcher Menschen zu wissen.
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