Kitty Solaris
»Future Air Hostess«
[Solaris Empire / Broken Silence / VÖ: 02.02.2007 ]
Text:
Sonja Eismann
[2 Kommentare]
Das ist der true, ach, der trueste Heimspiel-Spirit: nicht immer den Majors nachlaufen und deren Geschmack antizipieren, sondern in DIY-Regie selbst veröffentlichen. Drei Alben und zwei EPs, die meistens selbst gebrannt auf Konzerten verkauft wurden, haben gereicht, um Kitty Solaris aus Berlin zu dem Wunsch zu bringen, ein eigenes Label zu gründen, bei dem niemand reinquatscht. So wie das Grand Hotel oder Loob Musik (Delbo und Klez.e), die Kirsten Hahn, Namensgeberin und Chefin von Kitty Solaris, als Modelle beide toll findet. So kann man ihre Catch-Phrase aus “Fighter For Diversity” bestimmt als Fazit einer gelungenen Selbstermächtigungs-Geste lesen: “I became what I wanna be.” Mit Tobias Siebert von Loob hat Kitty auch ihre neue Platte aufgenommen, was den Sound weg von der Singer/Songwriterinnen-haften Melancholie deutlich zu rockigeren Bandstrukturen gepusht hat: Oh-oh-oh-Chöre (wie bei “You Have To Shave Mister”), prächtige Gitarrenwände und wummerndes Schlagzeug. Aber natürlich tummeln sich inmitten all dieser Indierock-Herrlichkeit immer noch die feinen Akustikgitarren, Keyboard-Geklingel und Kirstens Stimme in eher entrückteren Höhen. Mit “Cooler” gibt es, neben den durchweg eingängigen, fast polierten Melodien, auch einen richtigen Indiedisco-Hit, den man sich auch gerne mal im Radio vorstellen möchte.
Auf was spielt der Albumtitel an? Ich habe vor Jahren mal eine Postkarte bekommen, unterschrieben mit “the Future Air Hostess” von jemandem, der Steward werden wollte, also eine männliche Stewardess. Ich war so angetan von dem Wortspiel, dass ich einen Song danach benannt habe und schließlich die ganze Platte.
“Future Air Hostess” klingt fröhlicher, poppiger und auch polierter als die Platte davor. War das eine bewusste Entscheidung? Nein, das hat sich einfach so ergeben. Wir haben die Platte ja bei Tobias Siebert aufgenommen, er hat die Platte auch gemischt und gemastert. Und der Sound ist ja immer abhängig vom Studio, von der Person, die aufnimmt und mischt. Hätten wir bei Steve Albini aufgenommen, würde die Platte bestimmt anders klingen. Ich finde, der Sound ist sehr professionell und frisch, und er passt gut zur Platte. Live klingen wir allerdings wesentlich rockiger!
In der Berliner Morgenpost stand vor fünf Jahren über dich: “Berühmt waren ihre Auftritte mit Perücken und Federboas. Ein Hauch von Comedy umweht ihre aktuellen Konzert-Performances.” Das scheint so gar nicht zu deiner eher melancholischen Musik zu passen. Angefangen habe ich Mitte der 90er mit kleinen Soloauftritten; ich bin immer in voller Montur – also Perücke, Blumenkleid, Federboa etc. – aufgetreten, weil mir das Spaß gemacht hat, mich zu verkleiden, und außerdem konnte ich so mein Lampenfieber besser überwinden: Ich hatte immer ein Glas Rotwein zu meinen Füßen stehen, das regelmäßig umgekippt ist. Ich war so nervös, dass ich angefangen habe zu lachen, und das Publikum hat mitgelacht. Das war außerdem ein guter Kontrast zu den eher melancholischen Liedern. Ich lege nicht so viel Wert auf eine perfekte Bühnenshow, sondern mehr auf Authentizität, Spontaneität und Kommunikation.
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Kommentare
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flipkicker 02.02.2007 | 15:37:04
jo. ganz tolle band.
kann mich noch erinnern, als universal christian neumann (OEDERLAND) da aushalf. die platte "different people recording" fand ich 2003 so großartig.... und hier ein eigenes label zu gründen war genau der richtige schritt. von dieser band wird man noch hören!!
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