BEWERTEN
 

Jamie T

»Panic Prevention«

[Labels / Emi / VÖ: 02.02.2007 ]

Text: linus volkmann

Jamie T kennen Sie gar nicht? Das ist doch dieser junge Typ mit dem Überraschungserfolg-Debüt, das in allen 2007er-Jahrescharts der relevanten Musikmagazine auftaucht. Klar, Vorsicht, nie so offensiv mit dem noch gar nicht erfolgten Aufschlag eines neuen Künstlers prahlen. Schließlich ist Popjournalismus ja nicht per se Infozettel-Schreiberei. Und so liest man auch in der Rezension Stephan Glietschs in der letzten Spex, wie er vehement alle Vergleiche und Bezüge bezüglich Jamie T abstreitet. Und da hat er natürlich viel zu tun. Denn um diesem Sound inklusive seines gesamten Phänomens hier per Review Herr zu werden, muss man doch eigentlich Referenzen nennen statt abbügeln. Am besten gleich ganz viele. So fallen zumeist The Streets, Bloc Party, The Clash, Dizzee Rascal – und Glietsch erwähnt noch (vermutlich auch als Signifikanz für Hype) die Arctic Monkeys. Persönlich finde ich solch einen Verweismarathon nicht obszön, sondern zulässig, ja, erleichternd. Wie sonst kann man eine derartig komplexe Platte ansatzweise benennbar machen, ohne zu singen? Okay, wichtig ist natürlich, dieser Kaskade an Bands eine vernünftige Richtung zu geben, schließlich handelt es sich hier um einen Newcomer, und es hagelt somit dieser Tage Erstkontakte mit ihm quer durch die Bänke. Und die ungewöhnliche Vielschichtigkeit der Adressaten ist natürlich auch ein wichtiger Schlüssel zur Geschichte. Denn Jamies abgehangene, basslastige Mini-Monstranzen gehören keinem klassisch ausstaffierten Genre. Wenn man sagen würde: Mike Skinner hat mit den Streets das reguläre Indie-Publikum – allen voran Thees Uhlmann – auf den Beat, den Rhythmus, das markige Sprechsingen gebracht; so zieht Jamie T dasselbe Pferd auf links und bricht jenen Skinner-Style auf eher Indie-orientierte Arrangements und Instrumente runter. Was herauskommt, ist fraglos schwer cool und gab es in der Form einfach vorher noch nicht. Textlich geht’s ums Knutschen, Übergeben, was auf die Fresse und so. Eskapaden-Lyrik mit Stil – dein Chef hat Potenzial, das hier aber auch.




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