BEWERTEN
 

Benjy Ferree

»Leaving The Nest«

[Domino / Rough Trade / VÖ: 02.02.2007 ]

Text: Christian Steinbrink

Ein Schauspieler, der damit anfängt, Musik aufzunehmen – da klingelt doch was! Richtig, Will Oldham a.k.a. Bonnie “Prince” Billy trägt einen ganz ähnlichen Gründungsmythos mit sich herum. Und auch, wenn Benjy Ferrees Musik noch nicht ganz so souverän wie die vom Helden Oldham klingt, viele Parallelen trägt sie doch in sich. So beschränkt sich Ferree wie schon Oldham nicht darauf, an Standards angelehnten Folk herunterzududeln, er würzt seine Songs mit Hillbilly-Kram, Country, Rock und diversen Folklore-Stilen von Schottland bis in die Südstaaten. Auch gibt er sich in seinen Arrangements variabel, sein Horizont reicht von elektrisch bis akustisch, von Fiedeln bis zu zerbeulten Bläsern und sicher noch darüber hinaus. Auch ist Ferrees Musik keineswegs introvertiert oder zart, wie man es entsprechend der derzeit bekanntesten Folk-Protagonisten denken könnte, er produziert sich vielmehr als eine Art Minnesänger, als singender Tramp, und er hat sich mit dem Albumcover eine visuelle Entsprechung gegönnt. Dank all dieser Eskapaden kann man von “Leaving The Nest” kaum als einem eingängigen Album sprechen, Spannendes und Lustiges findet sich darauf dafür umso mehr. Verwundernd ist nur, dass die Platte von Fugazis Brendan Canty aufgenommen wurde. Denn der und seine Bandprojekte haben ein Interesse an Musik wie der von Ferree bisher noch nie vermuten lassen. Aber manchmal sind stilistisch scheinbar verquere Zusammentreffen und Kollaborationen wohl doch Garanten für besonders erfrischende Ergebnisse. Wie hier.




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