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Rocko Schamoni & Little Machine

»Rocko Schamoni & Little Machine«

[Trikont / Indigo / VÖ: 26.01.2007 ]

Text: Maurice Summen

“Was kostet Liebe, Liebe kann man sich nicht kaufen, wie teuer ist Glück? So was gibt es nicht für Geld.” Eine Textzeile, die Gold wert ist, eine Textzeile, die uns geschenkt wurde von einem Mann, der 17 Jahre später mit seinem Roman “Dorfpunks” in den Bestsellerlisten landete. Der Mann, der den Golden Pudel Club mit betreibt, der mit Studio Braun in Deutschland Gaggeschichte geschrieben hat, und der Mann, der uns nun seine vielleicht letzte Platte vorlegt. Und was für eine. Mit seinem Mucker-not-Mucker-Duo Little Machine legt Herr Schamoni einen erlösenden Popentwurf vor, der die Ironiefalle “Pop” mit so viel “Feeling durch Lebenserfahrung” entlarvt, wie man das sonst nur von bestem Soul, R’n’B, HipHop, Reggae oder anderer Genremusik kennt.
Jonas Landschier, auch als Tastentyp von Jan Delays Band Disko No.

1 bekannt, und Matthias “Tex” Strzoda am Schlagzeug begleiten Rocko an Gitarre und Gesang dermaßen gekonnt und zurückgelehnt, dass man den Eindruck gewinnt, Hamburg-City sei plötzlich Memphis, Tennessee. Und wenn Hamburg dann doch wieder Hamburg ist und man das auch hört, weil man beim Hören an Blumfeld denken muss oder an Ja König Ja, dann kommen eben auf dicken Pötten die Fat-Freddy’s-Drop-, Steely-Dan-, NRBQ- oder Jim-O’Rourke-Platten in die Hanse und werden bei Hanse-Saturn in die Regale geschummelt, und dann verwebt man diese wieder so wundervoll zu eigenen Mustern voller Demut und Sanftmütigkeit, dass ich wegen der Popgröße dieser kleinen Maschine die ganze Zeit an Dave Stewarts “Greetings From The Gutter” denken muss. Das war ein Riesenwelterfolg, aber da wir in Deutschland die eigene Popkultur ja gerne mal vernachlässigen, kann man beinahe froh sein, wenn diese an Land gespülte Schatzkarte nicht verloren geht, dort, wo Haifische und Schlangen längst Menschengestalt angenommen haben. “Die Zeit ist gnadenlos / Das Chaos ist virtuos / Gott ist ein Fabrikat, das keine Wirkung hat!” singt Rocko in “Weiter”. Adorno klingt in seiner Welt wie eine Schnapsmarke, und Marx ist ein alter Matrose. Al Green steht mit Augenklappe an Deck und predigt von Liebe. Alles Flaschengeister. Mit der “Little Machine” entkommt man diesem heilosen Chaos mit einer Portion Glück, aber eben auch mit dem Wissen um all die verlorenen Seelen da draußen. Hier ist man gerne an Bord. Auch wenn man weiß, dass der nächste Sturm einen vermutlich kentern lassen wird. “Leben heißt sterben lernen”, so der Titel des wundervollen Openers, wäre meine Wunschschlagzeile für alle Tageszeitungen dieser Welt. “Leben heißt sich entfernen, Leben heißt aufzugeben, das Leben ...” Aber das werden die “Tiere in der Großstadt” im letzten Song nicht schlucken, das werden sie nicht fressen und die Menschen in “Jugendliche” erst recht nicht. Das ist nämlich so toll 10cc-mäßig gekocht, dass man nur noch 10cc zitieren mag: “I don’t like Rocko, I love it – ah!”




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