Pantha Du Prince
»This Bliss«
[Dial / Kompakt / VÖ: 26.01.2007 ]
Text:
arno raffeiner
Märchenwald ist da, wo Geheimnis ist. Von außen ist nur Düsternis, Unheimlichkeit, ja, Bedrohung zu erahnen. Doch innen bricht gleißendes Sonnenlicht durch die Äste und wärmt. Auf weichem, moosgrünem Grund tanzt die Geborgenheit. Es muss schon eine Überdosis Romantik im Spiel sein, wenn es eine Platte aushält, dass so schwärmerisch in ihre Besprechung eingestiegen wird. Doch die Hamburger Jungs von Dial sind Großmeister der Romantik, und Hendrik Weber, der als Pantha Du Prince mit “This Bliss” sein zweites Album vorlegt und den man ansonsten als Bassisten von Stella kennen kann, ist ihr neuer Kronprinz. Also keine Angst und nur rein, in diesen Zauberwald! Denn wo auf Pantha Du Princes erstem Album noch unheimliche Fratzen hinter den Bäumen lauerten, da macht sich jetzt ein magisches Leuchten, ein Glühen breit. Webers persönliche Version von House hat sich noch weiter der seines Freundes und Labelkollegen Lawrence angenähert: Überall pulsieren diese leicht unscharfen Beats, angetrieben von den Bässen, befinden sich alle Elemente in einer ständigen melodiösen Bewegung. Knusper-Hihats, Glockenspielklimpern, Sehnsuchtsstreicher – alles flirrt, alles dröhnt, alles atmet Mysterium. Wie man aus diesem wundersamen Wald je wieder rausfinden soll, das bleibt eines der vielen großen Geheimnisse von “This Bliss”. Aber warum um alles in der Welt sollte jemand das Reich der House-Romantik eigentlich verlassen wollen? Drei Fragen an Pantha Du Prince:
Wie gehst du an einen Track heran, was ist als Erstes da: ein Beat, eine Harmonie, eine Stimmung?
All das ist ja immer da. Mittlerweile spiele ich viel live und integriere Material, das ich täglich aufnehme, auch unterwegs. Was klingt, hat Platz, es muss aber zur Ursprungsidee passen. Der Ursprung ist manchmal ein Wort, manchmal ein Buch oder ein Film. Splitter davon finden sich dann im Ganzen wieder. Als Startpunkt reicht eine Hallfahne, da steckt ja schon alles drin, was man braucht.
Was sind für dich die Vorzüge beim solitären Arbeiten als Elektronikproduzent im Gegensatz zum kollektiven Musizieren in einer Band?
Beim “solitären Arbeiten”, wie du sagst, wird die Kommunikation mit anderen ersetzt durch eine Art klangforscherischen Rauschzustand. Sobald eine zweite oder dritte Person dazukommt, geht es um Kommunikation, um Absprachen, d. h. oft eben auch um die Reflexion des Vorgangs. Der Zufall ist so schwieriger zu integrieren, ebenso sind Fehler im Prozess schwieriger fruchtbar zu machen. Das solitäre Produzieren wird dann vergleichbar mit der Arbeit eines Schriftstellers oder eines Bildhauers. Es ist ganz einfach eine andere Erzählung, die eines Einzelnen oder die einer Gruppe.
Wie dein Labelkollege Lawrence auch scheinst du eine Vorliebe für Glocken-Sounds zu haben. Was fasziniert dich an diesen Klängen?
Gestern bin ich durch Zufall in einen Gottesdienst des Zisterzienserordens geraten. Der Organist zog am Ende das Glockenspiel-Register, das war ein besonderer Moment von Klangerlebnis. Da öffnet sich auf einmal ein weites Obertonspektrum, ein Glockenspiel erzeugt so viele unkontrollierbare Resonanzen, und wenn es gestimmt ist, setzt sich doch ein glasklarer Ton durch. Es geht dann um etwas Metallisches, Räumliches, zum Greifen Nahes, das trotzdem warm und hell klingt und nicht so flach und theatralisch wie viele Synthesizer. Klangbilder sind wichtig, auch für Tanzmusik.
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