Kilo
»Kilo«
[Onitor / Kompakt / VÖ: 18.02.2005 ]
Text:
Heiko Gogolin
Obwohl es sich bereits um das zweite Album von Kilo handelt, ist mir das Wiener Duo bisher noch nicht über den Weg gelaufen. Das darf auch ein stets die allwissende Datenbank raushängen lassen müssender Journalist mal zugeben, oder? Betitelt eine Band eine andere als ihre erste Scheibe mit ihrem eigenen Namen, soll einem das meistens suggerieren: Unsere Suche ist passé. Wir haben uns gefunden und sind nun ganz wir selbst. Im Falle von Kilo heißt das wohl: Wir sind nicht einer, sondern viele. Denn Florian Bogner und Markus Urban lieben die kreative Wuselei und sind wandlungsfähig wie ein Chamäleon. Oft bildet ein Minimal-Techno-Vierfuß mit gemächlichem Schub die Basis. Darüber erklingen wunderschöne Akustik-Gitarrenriffs, Knarzbässe, Trompeten-Hooks oder Musique-Concrète-mäßige Tonbandmanipulationen. Und dazu blasen Kilo in Rohre, rascheln mit Büchern oder bringen Stecknadeln zum Erklingen. Das Resultat kommt weder aalglatt noch zu verkopft rüber. Das Verhältnis zwischen Pop und Experiment liegt bei etwa fuffzig-fuffzig. Meistens im direkten Wechsel: In einem Moment wird Pop-Ambient in „Curtea De Arges“ durch einen fluffigen Beat zur Hüpfburg samt einem Gesang, der sofort wieder auf Nimmerwiedersehen verschwindet, gefolgt von einem krautigen Track namens „Schlingel“, der sich anhört, als wären die beiden Jan Jelinek bei dessen Tierbeobachtungen begegnet. Im Laufe des Albums verliert man sich zunehmend in solchen immer häufiger auftretenden Sounddickichten. Ambient kann eben nicht nur Wohlklang in ewiger Wiederholungsschleife bedeuten, sondern auch zum Abenteuerurlaub einladen. Dieses Angebot nehmen wir gerne an: Kilo haben sich gefunden, und das finden wir gut.
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