Brightblack Morning Light
»Brightblack Morning Light«
[Matador / Beggars Group / Indigo / VÖ: 10.11.2006 ]
Text:
Martin Büsser
Es ist eine Sache, aus einer gesunden, lange gepflegten Punk-Aversion heraus über Hippies zu lästern – und eine andere, sich dann doch immer wieder von ihrer Musik gefangen nehmen zu lassen. Was daran liegt, dass Hippies zwar aufgrund ihrer Naturmystik und des ganzen Yin&Yang-Gequatsches auf die Nerven gehen können, aber immer schon ein Händchen für gute Musik hatten. Es waren ja schließlich nicht „die Hippies“, gegen die Punk Mitte der 1970er rebellierte, sondern die Rocker-Mucke von Led Zeppelin oder Deep Purple, die klobig war, also kein Hippie-Gespür mehr für Flow hatte. Wer jetzt widerspricht, soll mal in John Robbs Buch „Punkrock – An Oral History“ schauen: Mitte der 1970er hatte Johnny Rotten für die BBC Platten aufgelegt, und zwar nicht Sex Pistols oder The Clash, sondern Captain Beefheart und Can.
So viel historischer Exkurs deshalb, weil die mit Devendra Banhart und Joanna Newsom befreundeten Brightblack Morning Light waschechte Hippies sind, die sich für Umweltorganisationen wie „Earth First“ einsetzen und die Stücke zu ihrem Album in den Wäldern geschrieben haben. Ihre Musik ist weich, geschmeidig, wird von hauchendem Gesang und dem Geblubber des Fender Rhodes getragen. Ganz so magisch wie Low klingen sie leider nicht, doch in ihrer Grundstimmung sind beide Bands miteinander vergleichbar. Blues und Gospel schimmern an den Rändern durch, nie jedoch so etwas Schreckliches wie Bluesrock. Kurzum: Es handelt sich um einnehmende, durchweg schöne Musik von Menschen, die sicher sympathisch sind, auch wenn sie einen Tick haben sollten. Lange gepflegte Punk-Aversionen müssen schließlich auch mal hinterfragt werden. Gruppen wie Fugazi haben das längst getan und „Hippie“-Themen wie Naturschutz und Vegetarismus schon vor Jahren übernommen. Das richtige Bewusstsein lässt Style und Style-Grenzen am Ende sowieso zur Nebensache werden.
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