BEWERTEN
 

Bound Stems

»The Logic Of Building The Body Plan«

[Flameshovel / Al!ve]

Text: Tobias Mull

Ich weiß, man tut ihnen Unrecht. Und man hört sich an wie die ganzen Alt-68er, die Typen wie Schlingensief vorgeworfen haben, dass sie damals, als sie selbst noch Rebellen waren, viel besser rebelliert hätten und dass es das alles, was er jetzt mache, schon gegeben habe. Aber wenn sich nichts regt, was soll ich machen? Bound Stems aus Chicago spielen auf ihrer Debüt-EP „The Logic Of Building The Body Plan“ diese Art von Indiepop, der durch Bands wie Broken Social Scene, Arcade Fire oder auch Bright Eyes in den vergangenen Jahren vom Intro- über den Spiegel- bis zum Kickerleser einige, wie sagt man so schön, begeistert hat. Problem dabei halt nur: Es gibt ja Broken Social Scene, Arcade Fire und Bright Eyes schon. Und Bound Stems fügen leider wenig in das musikalische Koordinatensystem ein, das wirklich eigenständig klingt. Klar ist da Feuer. Aber es fehlt der Funke. Klar ist da Leidenschaft. Aber es fehlt das Leiden. Klar sind da Songs. Aber es fehlt der Sog. Einzig der Abschlusssong lässt sich ein wenig fallen und wagt etwas. Der Rest ist netter Indiepop, den man schon etliche Male ähnlich gehört hat. Bound Stems würden auf diese Kritik wahrscheinlich antworten, was auch Schlingensief geantwortet hat: „Du kannst uns deine Vergangenheit nicht vorwerfen. Wir machen den Scheiß gerade zum ersten Mal. Und für uns fühlt es sich richtig an.“




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