Blood Brothers
»Young Machetes«
[Wichita / Cooperative Music / Rough Trade / VÖ: 17.11.2006 ]
Text:
Martin Riemann
Schnell-Langsam-Schnell-Schnell-Schnell-Langsam-Langsam. So geht der Morse-Core der Blood Brothers. Wer sie schon mal live gesehen hat, weiß, dass die eigentlich längst ernsthafte Stimmbandschäden und Tausende von geplatzten Äderchen in der Fresse haben müssten. Aber nichts da! Sie sind schon beim fünften Album, und das klingt alles andere als kränklich. Im Gegenteil. Die Energiebündel aus Seattle präsentieren sich hier definitiv auf der Höhe ihres Schaffens. Das hängt damit zusammen, dass sie immer introspektiver werden, ohne dabei ihr zweikehliges Trademark-Gekreische zu vernachlässigen. Und so zärtlich und funky wie der erstaunliche Johnny Whitney muss man erst mal zu schreien verstehen. Auf „Young Machetes“ gibt seine Stimme dann auch stets das unstete Tempo an, wobei sein Keyboard, das sich hier zeitweilig wie ein zusammengetretenes Rhodes-Piano anhört, ständig in Richtung Tanzfläche schielt. Aber nur ein bisschen, denn der Stoff, aus dem die Blood Brothers gemacht sind, ist zu komplex für die Flucht in den Groove. Ungebremste Wut und Aggression machen jetzt immer mehr einer grandiosen Verzweiflungsstimmung Platz, die viel Raum für wunderschön klingende Experimente lässt. Wie z. B. das melancholisch discoesk losstolpernde „Street Wars / Exotic Foxholes“, das in eine leise Elegie komplett mit Oboen und Klarinetten mündet. Wer vorher Granaten wie „Spit Shine Your Black Clouds“ und „Laser Life“ gezündet hat, kann sich solche gewagten Ausflüge leisten. Und durch diese schaffen die Blood Brothers es auch, dass auf „Young Machetes“ alles wieder wie ganz neu ausgedacht klingt. Mal davon abgesehen, dass man dauernd so angenehm angeschrieen wird.
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