Saalschutz & Diverse
»Macht's Möglich & Operation Pudel 2006«
[ZickZack / Indigo & Nobistor / Indigo]
Text:
linus volkmann
[12 Kommentare]
Intro-Chefredakteur Thomas Venker wankt Minimaltechno-besoffen von seinem Date mit Michael Mayer ins Büro. Dort habe ich bereits Saalschutz am Laufen. Denn ich möchte gut draufkommen, ohne dafür vormittags bei der Arbeit schon Cocktails trinken zu müssen. Venker meint allerdings schnaufend, das sei schlechter Sound, nicht zu ertragen. Hey, ist das noch mein Mann, der einst in Intro #81 schrieb: „In Finnland bei den Op:l Bastards habe ich neun Tage am Stück nur gesoffen, bitte bindet mich wo an“ (Quelle: Gedächtnis)? Nö, isser nicht, und da stimmt doch was nicht. Das Kriterium „Sound zu scheiße“? Wer spricht da? Meine Mutter? Miss Doubtfire? Dabei ist das Auffällige an der zweiten Platte der kurzhaarigen Züricher Vollabfahrer doch viel eher die Tatsache, dass sie zum ersten Mal einen durchgehenden Sound haben. Bei ihren Präzisions-Laptops und dem kantigen Beat & Shout gilt die primäre Sorge, dass, gerade beim Opener „Sehr nette Menschen“, Saalschutz so eine Mediengruppe Mundartkommander geworden sind. Wenngleich selbst selbige ja nicht mal unter dem Signum Hochdeutsch geführt werden sollten. Dieses Entree irritiert also, ist dabei aber gut gemacht. Dennoch scheint mir ein Mal MTK mehr als genug. Zum Glück verzetteln sich Saalschutz dann aber schnell in ihr Post-Powerbook-Mosaik. Es geht nicht mehr um vermeintliche provokante Slogans wie „Profitieren von dem Hype!“, sondern es wird auf popistisch höchstem Niveau schön Mist gebaut – in diesem geilen Gestus von unironischer Ironie. Stile werden adaptiert, „Everybody Chill-out auf mein Kommando!“ gebrüllt und der Hörer mit immer neuem Kram bei bester Laune gehalten. Das allein wäre schon die Miete für die nächsten Monate, aber dann bringt die zweite Hälfte noch mal einen weiteren Peak auf. Und zwar schießt man sich ein auf so eine fette Disco-Halb-Travestie und klingt auch im Songwriting und Sound fast wie die bessere Version von Madonnas „Confessions On A Dancefloor“. Ganz ehrlich. Da kann Venker noch hundertmal seine Kotzpantomime über dem Papierkorb aufführen. Tief drinnen spürt er, dass er falsch liegt und leer ist. Was ihn natürlich noch aufgebrachter werden lässt. Egal. Die neue Saalschutz hat unglaublich viel drauf. Und die Schande, einst in einer Nacht komplett drüber auf amazon eine orthografisch fragwürdige und inhaltlich schwer behämmerte Kundenrezension über ihr Debüt geschrieben zu haben, die sitzt immer noch recht tief. Aber wie heißt es so schön: Die Schande kommt, die Schande geht. „Macht’s möglich“ dagegen ist here to stay.
Tja, und wenn’s so gut läuft, was macht man dann? „Dann muss man immer weiter durchbechern“, wie Egoexpress es einst am Hamburger-Schule-Ballermann skandierten. Also: Pudelprodukte vom Nobistor gelten ja ohnehin schon als irgendwie cool. Und wer wäre ich, etwas wahrzunehmen, das außerhalb dieses geilen Glanzes läge? Genau. Was nicht hindern soll, hier noch auf dieses weitere Highlight zu verweisen. Allein die Tracks am Stück von sowohl Schamoni, Palminger wie Strunk sind gleich so auf den Punkt, dass man nur noch zuwinken kann. Und dabei kurbeln die drei nicht einfach einen musikalisch begleiteten Standardgag runter – was ja auch schon reichen würde. Aber nee, alle haben immer noch abstruse Ideen übrig, die es bewundernswert fahrig zu vertonen gilt. Und was darüber hinaus noch los ist auf diesem Sampler: Tolerantes Brandenburg, Kissogram, Schorsch Kamerun, Wevie Stonder etc. Wer letztens immer so auf Kozes „Soviel Zeit“ abgegeilt hat, der sollte hier unbedingt auch dran teilhaben. Ist doch nur zu seinem Besten. Ach, und wie ist noch mal dieses Pop-Schreibe-Berufsschulen-Basiswissen? Jeden Text mit dem Gedanken des Anfangs abschließen, oder? Von wegen zyklischer Aufbau. Na gut: „Venker, du hast dein Leben zerstört!“
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Sick Sinus 27.12.2006 | 21:21:34
Mehrteurer
Hab' heute die Saalschutz-Platte erstanden.
Gefällt mir superduper. Das mit den Jingles von befreundeten Musikern ist eine super Idee. so gut Interludes hab' ich seit der Sillium von Fünf Sterne Deluxe nicht mehr vernommen.
Frank_Orgel 28.12.2006 | 13:33:10
selling live water
finde es ein wenig schade, dass die auf platte nicht so kicken wie live. sonst würd mir machts möglich auf jedenfall noch besser gefallen.
Sick Sinus 29.12.2006 | 15:47:25
Mehrteurer
hmmm... also die Platte ist durchweg gut auflegbar. Mehr kann man eigentlich nicht verlangen...
retox 31.12.2006 | 14:09:54
haltbar bis 30.09.08
definitiv eine ser bestesten platten des jahres.
ich würd mich freuen, wenn die feigen djs hier im umkreis sich mal trauen würden, die mal aufzulegen!!!!!!
Sick Sinus 31.12.2006 | 14:15:44
Mehrteurer
die trauen sich nur nicht, "richtige DJs" zu spielen, weil sie meist nur CD-Schubsen sind.
retox 31.12.2006 | 17:36:13
haltbar bis 30.09.08
oder weil die immer nur ihr indiechart-publikum versorgen wollen...die chance des risikos sieht wohl kaum einer mehr....
Sick Sinus 31.12.2006 | 19:56:05
Mehrteurer
Richtige DJs kreieren selbst Hits durch regen Einsatz ihrer Lieblingsplatten.
den Begriff "Indie" sollte man mittlerweile echt verbieten.
retox 02.01.2007 | 13:59:51
haltbar bis 30.09.08
ist er doch schon...wir haben 2007 =D
schunkel 02.01.2007 | 19:47:49
Der innenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Dieter Wiefelspütz, sagte: „Ein zweites Verbotsverfahren macht nur dann Sinn, wenn sich die Antragsteller ganz sicher sein können, daß der Verbotsantrag vor dem Bundesverfassungsgericht Erfolg hat.„ Diese Sicherheit gebe es derzeit aber nicht. Unions-Fraktionsvize Wolfgang Bosbach (CDU) forderte die Bundesregierung auf, diesmal „genügend Belege“ für ein Verbot zu sammeln.
retox 06.01.2007 | 11:46:49
haltbar bis 30.09.08
genügend beispiele?
dann soll der mal in diese ganzen homogenisierten indiepopserclubs gehen und sich den ganzen langweiligen kram anhören =P
Blutsschwester 06.01.2007 | 18:02:35
Ich find die Platte auch super!
Wird aber auch tatsächlich mal wieder Zeit, das Saalschutz den Weg in unsere -gerne umfahrene- Stadt finden....






