BEWERTEN
 

Ray La Montagne

»Trouble«

[Warner]

Text: Christian Wessels

„There are songwriters and musicians out there who are entertainers. They have so much fun. I envy that sometimes. They’re having such a great time.“ Ray La Montagne kokettiert bisweilen mit seiner schwierigen Kindheit, seinem Außenseitertum, seiner Traurigkeit. Der bärtige Twentysomething wuchs als eines von sechs Geschwistern auf, seine Mutter zog mit der Familie in den USA umher. Geschlafen haben sie in Hinterhöfen, Hühnerställen, auf Autositzen. Vier Jahre, nachdem er die Highschool hinter sich gebracht hatte, fand er sich in der Frühschicht einer Schuhfabrik wieder. Eine düstere Zeit ohne Tageslicht. Bis ihn sein Radio mit Stephen Stills „Tree Top Flyer“ weckte. „Ich wusste auf einmal: Ich wollte singen“, erinnert sich Ray. Und er ging nicht mehr in die Fabrik. Sondern sang stattdessen mit kehliger, manchmal brüchiger Stimme vom Teufel, von der Liebe und anderen Schwierigkeiten. Der Americana-Folk-Country seines Debüts „Trouble“ hat sich in den USA seit 2004 klammheimlich 250.000 Mal verkauft. Und wird auch in Europa Freunde finden. Das Album entstand in nur zwei Wochen in den Sunset Studios, Los Angeles. Produziert hat Ethan Jones (Ryan Adams), der mit seiner rauen wie transparenten Gangart immer eine gute Wahl ist. Das Niveau der Darbietung ist durchgehend hoch, die Streicher-Arrangements sind zum Teil hervorragend. Und die Songs, die sind es sowieso. Die hätten Van Morrison und dem gemütlichen Neil Young zur Ehre gereicht.
PS: In den USA steht schon seit einem Monat das zweite Album „Till The Sun Turns Black“ in den Läden.




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