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Moistboyz

»IV«

[Schnitzel / Rough Trade / VÖ: 15.09.2007 ]

Text: Martin Riemann

Evolutionär gesehen ist das Kleinhirn ja ein relativ neues Gimmick, und ob es der menschlichen Rasse bisher viel Glück gebracht hat, ist fraglich. Wie man am Namen schon sehen kann, ist es sehr klein und spitzfindig. Sein älterer Bruder, das Stammhirn, ist bedeutend größer und mächtiger. Es hat immer ein Ass im Ärmel: die niedrigen Instinkte. Dickie Moist ist das Stammhirn der Moistboyz. Ein Amerikaner männlichen Geschlechts mit einem Ego von der Größe Alaskas. Dickie hat nicht nur reichlich befremdliche Ansichten, er brüllt sie auch mit Leidenschaft heraus. Durch die Tatsache, dass man selbst in den USA nicht mehr nach Lust und Laune mit Waffen herumfuchteln darf, fühlt er sich gendertheoretisch seiner Ausdrucksmöglichkeiten beraubt. Auch die Kommunisten machen ihn wütend, sowie etliche andere „Pussies“, die nicht länger eindeutig als männlich oder weiblich zu identifizieren sind. Bush und Blair können ihm ebenfalls gestohlen bleiben. Wahrscheinlich zählt er diese Weicheier schon zu den Linken. Unterstützt wird Dickie von Mickey Moist, der den meisten eher als Dean Ween bekannt sein dürfte. Und wer die gelegentlichen Ausflüge von Ween in Richtung Brachialrock kennt, hat eine ungefähre Vorstellung davon, was die Moistboyz seit über zehn Jahren abziehen: rohen, unsensiblen Idiotrock, der sich, dank Dickies inbrünstigen Organs und Mickeys unbestreitbarem Riecher für die richtigen Verzerrer, einen gewissen Charme nicht absprechen lässt. Man hört sich diesen Quatsch einfach gerne an, und die treibende Kraft der Moistboyz lässt einen todsicher nie im Stich. Das ist wohl auch der Grund, warum sich so illustre Labels wie Mike-Ds Grand Royal („I“ & „II“) und Mike Pattons Ipecac („III“) an den Boyz die Finger schmutzig gemacht haben. Bis auf die Tatsache, dass sie immer mehr nach Ween klingen, erklimmen die Moistboyz mit „IV“ kein neues Qualitätslevel, das ist nämlich in ihrer Nische gar nicht möglich. Eines der anziehendsten Elemente von Punk und Hardcore ist schließlich deren Schlichtheit in Melodieführung und Arrangement. Und wem es immer schon gar nicht primitiv genug sein konnte, wird auch in dieser sauber abgemischten vierten Moistboyz eine Perle von solcher Reinheit und Anmut finden, dass ihm Tränen des Glücks in die Augen treten werden. Großes Ehrenwort.




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