Lindstrøm
»It’s A Feedelity Affair«
[Feedelity / Smalltown Supersound / Rough Trade]
Text:
arno raffeiner
Der große Oslo-Hype der letzten zwei Jahre lässt sich mit einem abgewandelten Stücktitel dieses Albums einfangen: Further Back Into The Future. Hans-Peter Lindstrøm machte Oslo gemeinsam mit seinen Freunden Prins Tomas und Todd Terje zum neuen Mekka eines Dance-Sounds, der so allumfassend in die Vergangenheit vernarrt ist, dass aus den verschiedensten Einflüssen immer wieder neue Musik entstehen muss. Lindstrøms Liebe zu over the top Akkordfolgen, hippiemäßigen Gitarrenjams mit Percussiongeklimper und einer Gefühligkeit, die Kitsch in jedem Fall der Geradlinigkeit vorzieht, hat natürlich ein historisches Vorbild. Der Kristallisationspunkt, den er mit seinem Cosmic Disco und Space Funk nachbaut, lag fast zeitgleich in Norditalien, in New York und auf Ibiza Ende der 70er und Anfang der 80er, bevor so richtig feststand, was Clubmusik im Trubel von Postdisco, Punk, Synthiepop, Afrobeat und elektronischem Krautrock zu sein hatte. Ein ähnliches Gefühl von Aufbruch und Euphorie haben auch die Osloer Jungs geschaffen, entsprechend hoch sind die Erwartungen an ein Lindstrøm-Album gesteckt. Aber erst mal geht es hier nur um eine Sammlung von Stücken, die allesamt bereits auf Vinyl bei Lindstrøms Label Feedelity veröffentlicht wurden, und außerdem stellt sich, in der Gesamtheit eines Albums gehört, der Eindruck ein, dass Lindstrøms Musik, bedrängt von den Anforderungen der verschiedensten Seiten, zwischen die sich der neue Oslo-Sound so genial gestellt hatte, ein wenig unentschlossen hin und her tapst. Für Cosmic sind die Stücke auf „It’s A Feedelity Affair“ meist zu uptempo, für House zu daddelig. Die krautigen Anleihen sind da und haben dieses verpeilt Psychedelische, dieses Too-Much; um das Gefühl aber wirklich einzufangen, ist alles zu clean produziert, zu wissend z. B. auf Parameter von Tanzmusik zurechtgemacht, für den aktuellen Dancefloor wiederum ist es zu wenig transparent. Mit „It’s A Feedelity Affair“ hat sich Lindstrøm heroisch in seinem selbst eroberten Dazwischen behauptet und bleibt nach wie vor spannender und beseelter als der größte Teil gängiger House Music, im Ganzen genommen fühlt es sich aber eben leider auch ein wenig zu eindeutig nach Dazwischen an.
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