Escapologists
»In Free Motion«
[DevilDuck / Indigo / VÖ: 27.10.2006 ]
Text:
Frank Schuster
Nottingham ist nicht gerade der Nabel der Welt. „Maschinen- und Fahrzeugbau, Strumpf-, Textil-, Bekleidungs-, chem., pharmazeut., Nahrungs- und Genussmittelind.“, heißt es in „Meyers Großes Taschenlexikon“ über die immerhin 270.000 Einwohner zählende Stadt. Ach ja: „kath. Bischofssitz, Univ.“ und: „Binnenhafen“. Aber wir wissen ja, dass aus jedem größeren Kaff in Merry Old England mindestens eine gute Band kommt. Die Stadt, deren berühmtester Sohn wohl Robin Hood war (wenn er denn nun wirklich gelebt hat und nicht nur Legende ist), hat der Welt immerhin Savoy Grand und Seachange geschenkt; in ersterer Band war Neil Wells – Kopf des Trios Escapologists – zuletzt Bassist; in zweiterer ist er für jede Menge Instrumente zuständig: von Trompete bis Keyboards. Nach einer EP im Jahr 2004 legt er nun mit seiner eigenen Band den ersten Longplayer vor. Und dieser hat nicht weniger Qualitäten aufzuweisen als die Werke von Seachange oder Savoy Grand: schönen britischen Indiepop, songorientiert, schnörkellos, fließend, gleichwohl genügend Experiment, von den Nottinghamer Kumpelbands genauso etwas ablauschend wie von The Jesus & Mary Chain oder den Go-Betweens (Wells’ Stimme klingt angenehm entfernt nach Robert Forster). Der Beinah-Fünfminüter „Promises“, das Album-Glanzlicht, ist eine Übung im Auf-der-Stelle-Treten samt abschließender Ton-Entladung – vergleichbar Savoy-Grand’schen Song-Monumenten.
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