BEWERTEN
 

Under Byen

»Samme Stof Som Stof«

[Morningside / Pias / Rough Trade / VÖ: 20.10.2006 ]

Text: Lutz Happel, Lutz Happel

Am Anfang waren Gedichte in dänischer Sprache und ein paar Pianoakkorde. Katrine Stochholm und Henriette Sennenvaldt aus Aarhus in Dänemark kamen bei einer Radtour auf die Idee, eine Band zu gründen, und was sich hier so lapidar banal erzählen lässt, mutierte schnell zu einem musikalischen Großprojekt allererster Kajüte. Es wurden zwei Alben aufgenommen, die Band erweiterte sich auf acht Musiker; Cello, Orgel, Violine, Piano, Schlagzeug und eine Säge kamen hinzu. Und spätestens jetzt – auf ihrem dritten Longplayer – haben diese Dänen einen Sound erfunden, der zwar unweigerlich nach Norden klingt, aber trotzdem so unberechenbar ist, dass man mit allen Querverweisen auf isländische Kollektiv-Posthippies wie Múm, den in sich selbst versunkenen Björk-Gesang oder das Sphärische der notorischen Sigur Rós einfach zu kurz greifen muss. Überhaupt: Nirgendwo steht geschrieben, dass alles, was oberhalb von Flensburg produziert wird und bei dem mehr als vier Instrumente im Gebrauch sind, gleich in eine Schublade gepackt werden muss. Under Byen ist eine Band, die ständig hin und her schwankt zwischen Song und Track, zwischen einem Gesang, der nach einer Struktur verlangt, um seine Geschichte erzählen zu können, und dem ihn umgebenden Orchester, das in alle Himmelsrichtungen ausschwärmt, sich nicht festlegen will, jede Eindeutigkeit verweigert. Hier hört man heraus, dass Under Byen Musik für den Moment machen. Dem Lauf der Zeit lässt sich so im Sound immer wieder nachspüren – und das ist doch wirklich nicht schlecht.




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