BEWERTEN
 

Laibach & The Residents

»Volk & Tweedles!«

[Beide Mute / Emi]

Text: Martin Büsser
[7 Kommentare]

Zwei Bands, die alle ihre Zeit und in ihrer Zeit auch Relevanz hatten. Aber nun? Laibach, die den Prozess der Re-Nationalisierung in den 1980er-Jahren kritisch prognostiziert hatten, wirken nur noch wie ein Schatten ihrer selbst, der damit zu kämpfen hat, dass jegliche Ironie oder Kritik nicht mehr zünden mag, seit die Wirklichkeit das dumpfe Getrommel der Band eingeholt hat und als Echo noch viel dumpfer widerhallt. Darum ist die Idee, auf 14 verschiedene Staaten eine Hymne zu schreiben, die irgendetwas Charakteristisches herausarbeiten soll, auf erschreckend zeitgemäße Art unzeitgemäß. Das Beiheft zur CD ist gespickt mit Zitaten wie: „English should be the only official language of European Union“ oder „Our nation is chosen by God and commissioned in history to be a model to the world“ (George W. Bush). Diese Zitate sollen natürlich abschreckende Wirkung haben und im Zusammenhang mit den Hymnen – allen voran eine „liebliche“ Version der deutschen Nationalhymne zu butterweicher Klavierbegleitung – den Verlust nationaler Identität einklagen. Laibach provozieren nicht mehr, indem sie sich außerhalb der „political correctness“ stellen, sondern sie haben sich in die gesellschaftliche Mitte der Fahnenschwenker begeben, sodass ihre Musik gleich doppelt überflüssig geworden ist – eine Affirmation des dumpfen Kanons, dass Bush böse und „unverkrampfter Patriotismus“ gesund sei, braucht nun wirklich niemand. Auch nicht vor dem Hintergrund – es soll nicht verschwiegen werden –, dass Laibach mit „Volk“ ihre vielseitigste, musikalisch ideenreichste Platte seit „Let It Be“ gelungen ist.


Weniger Bauchkrämpfe bekommt man bei den Residents, den ZZ Top der Avantgarde – zumindest, falls Musik ein Bart wachsen könnte. Sie sind eben nur langweilig und wälzen einen einmal aufregenden Sound („einmal“ bezieht sich auf etwa 1974!) seit Jahrzehnten aus. Gegen Langeweile hilft auch kein Flug nach Rumänien mehr, wo die Residents Straßenmusiker und Kirchenglocken gesampelt haben, denn längst schon ist das Konzept hinter Residents-Platten komplexer als die Musik selbst.
Bleibt also die Frage, wem man den Vorzug geben soll: einer ideologisch harmlosen Avantgarde-Band, die längst zum Gegenteil von Avantgarde geworden ist, oder den musikalisch erstaunlich versierten Laibach, die tatsächlich immer mehr zu so etwas wie einer intelligenten Rechten mutieren. Selbstverständlich: Es braucht beides nicht.



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aus Intro #144 (November 2006)
 
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  • User: rahlwerk
  • rahlwerk 01.11.2006 | 09:21:28

    Ohlala. Ein Rezensent der sich zur Sicherheit mal gar nichts traut. Schade. Etwas verwunderlich auch vor dem Hintergrund des von "Intro empfohlenen" Marie Antoinette - Soundtracks, der ja nun wahrhaft nur olle Kamellen feilbietet, die Residents abzustrafen. Das ist einfach ein logischer Bruch im Jahre 2006, DENN wir erleben seit gut 10 Jahren nur noch Revivals. Das Werbeblättchen INTRO will aber verkaufen und nicht zum Nachdenken anregen und daher ist wohl auch nicht zu erwarten, dass eine Platte die sich auf hohem Niveau mit dem Thema Nationalismus auseinandersetzt, in diesem Forum eine adäquate Besprechung erhält. Und das in Zeiten wo der Ipod dem Volksempfänger gleicht. Heil Apple!

  • so so 01.11.2006 | 12:24:32

    soso

  • User: Schlüter Zwei
  • Schlüter Zwei 01.11.2006 | 16:58:15

    leider wirklich ne schlechte platte.

  • User: haru_specks
  • haru_specks 01.11.2006 | 18:03:08
    shine on
    auf jeden fall macht mich rahlwerks kommentar zur laibachscheibe neugierig.

  • User: heckenpenner_rot
  • heckenpenner_rot 01.11.2006 | 23:54:55

    na ich habe einige dieser diversen nationalhymnen auch schon schlechter interpretiert gehört ...

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