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The Evens

»Get Evens«

[Dischord / Al!ve / VÖ: 06.07.2007 ]

Text: Martin Büsser

Schade, dass die Zeitmaschine immer noch nicht erfunden wurde. Dann nämlich hätte man mit dieser CD in Händen in die frühen 1980er zurückreisen und sie dem Teenager Ian MacKaye vorspielen können, der damals bei Minor Threat für den schnellsten Knüppelcore des ganzen Planeten gesorgt hat. „Hör mal, Ian, solche Musik wirst du in 25 Jahren spielen.“ – „Was, diesen Hippie-Bullshit? Verpiss dich!“ Wirklich schade. Wozu ist die Wissenschaft überhaupt gut? Nun, The Evens spielen natürlich keinen Hippie-Bullshit, auch wenn Ian MacKaye dies als 16-Jähriger sicher so gesehen hätte. Auch auf ihrer zweiten Veröffentlichung für das hauseigene Label besticht das Duo Ian MacKaye und Amy Farina durch minimalistischen Funk-Pop und melodischen, zweistimmigen Gesang. „Get Evens“ sorgt abermals für tiefen Respekt gegenüber Ian MacKaye, der wie kaum ein anderer Punk-Pionier nicht nur politisch integer geblieben ist, sondern sich musikalisch stets weiterentwickelt hat. Fugazi waren die konsequente Antwort auf eine musikalisch stagnierende Hardcore-Szene, die späten Fugazi wiederum eine konsequente Antwort auf die etwas schlichter und härter gestrickten frühen Fugazi. Und The Evens sind eigentlich das Beste und Konsequenteste, was daran nur hat anschließen können. Hochgradig sympathische Ausstrahlung, clevere Texte, ein paar funkige Minutemen-Wendungen, die innere Ruhe von Karate ... und unterm Strich dann doch ein ganz eigener Stil, der die eigene Herkunft nicht verleugnet. Wie schon auf dem großartigen Solodebüt vom Fugazi-Bassisten Joe Lally hört man Fugazi an vielen Stellen durch, doch dank des reduzierten Spiels und des semi-akustischen Folk-Appeals verbreiten die Stücke durchweg Wohnzimmer-Intimität. Nicht nur schade, dass es noch keine Zeitmaschinen gibt, sondern auch, dass 90 % der Punk-Helden von einst im Gegensatz zu MacKaye heute noch immer glauben, sie müssten den Dicken markieren. Über all dem Lob sollte allerdings nicht der female Part, Amy Farina, vergessen werden, die zu dieser musikalischen Entwicklung sicher eine ganze Menge beigetragen hat.




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