Lloyd Cole
»Antidepressant«
[Sanctuary / Rough Trade / VÖ: 05.07.2007 ]
Text:
Markus Meske
Lloyd Cole & The Commotions galten in den 80ern neben den Smiths für eine kurze Zeit mal als die ganz große Hoffnung des britischen Gitarrenpop. Lang ist’s her, sogar das erste 80er-Revival ist ja schon so gut wie durch. Lloyd Cole macht in regelmäßigen Abständen immer noch Platten, mit den 80ern haben seine Soloscheiben aber schon lange nichts mehr zu tun. Melancholisch ruhiger Singer/Songwriter-Pop ist es, den er in leichter Abwandlung immer wieder auf CD bannt. „Antidepressant“ klingt nach dem fast rein akustischen letzten Album „Music In A Foreign Language“ nun wieder mehr wie ein Bandalbum. Eingespielt hat Lloyd Cole die elf neuen Songs allerdings komplett im Alleingang. Und sie halten mühelos den hohen Standard seiner bisherigen Veröffentlichungen. Gelernt ist eben gelernt. Wieder eine schöne Platte. Für den Herbst sowieso. Mal nachfragen:
War es leichter, „Antidepressant“ komplett allein aufzunehmen, oder hat es die Sache verkompliziert?
Die Platte hat viel länger gedauert, als ich erwartet hatte. Die eigentlichen Aufnahmen haben etwa ein Jahr gedauert, aber ich hatte allein vier Monate lang Technik-Ärger wie verrückt. An vielen Tagen hätte ich einfach nur heulen können. Früher hatte ich ein Apple Powerbook, damit lief alles super, aber als ich auf den Mac G5 umgestiegen bin, funktionierte mein Recording-Programm Logic nicht mehr. Musste schließlich sogar umsteigen und ein anderes Programm komplett neu lernen. Das kann einen völlig fertigmachen, vor allem, wenn man allein arbeitet. Man denkt dauernd, man selbst hätte einen Fehler gemacht, dabei lag es an der Technik.
Einige Songs sollst du im Frühjahr während deiner Tour in Deutschland geschrieben haben. Stimmt das?
In Deutschland auf Tour zu gehen war mehr oder weniger die einzige Möglichkeit, einige der Texte fertig zu bekommen. Ich musste mal aus dem Studio raus und nicht gleichzeitig Techniker sein, um überhaupt in die Stimmung zum Texteschreiben zu kommen. Ich war ja permanent beides: Techniker und Künstler. Es ist sehr schwer, dazwischen hin und her zu wechseln. Wenn man sechs Stunden lang am Sound einer Schlagzeugaufnahme gebastelt hat, ist es nicht leicht, den Rest des Tages Texte zu schreiben. Bei mir hat das fast nie geklappt. Die kreativen Sachen kann ich nur, wenn ich mir ein paar Tage dafür Zeit nehme.
Wie unterscheidet sich für dich dieses Album von deinen früheren Platten?
Ich schreibe heute viel weniger Songs als früher. Dafür nehme ich mir viel mehr Zeit für jedes einzelne Lied und jede Textzeile. Ich mag es nicht, da irgendwelche Lückenfüller zu haben, kleine Füllsilben oder Worte wie „Yeah“, „Alright“ und „Babe“. Da war ich früher wesentlich großzügiger. Und bin von einigen meiner eigenen alten Songs auch ein bisschen enttäuscht, was das angeht. Aber ich war ein großer Bob-Dylan-Fan, und ich dachte, wenn „Babe“ am Ende jeder Zeile für ihn gut genug war, dann würde es wohl auch für mich funktionieren.
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