Clinic
»Visitations«
[Domino / Rough Trade / VÖ: 16.02.2007 ]
Text:
Peter Wittkamp
Clinic. Auch so eine Band, die niemand richtig vermisst? Stopp! Bevor du jetzt entsetzt „Radiohead-Vorband, dicker John-Peel-Support, super Debütalbum und überhaupt“ schreist: Es bestreitet ja niemand deren Relevanz. In erster Linie aber: Music for and from Nerds since 1997. Trotz Jeanswerbung. Trotz der Verneigung vor dem Pop mit ihrem 2004er-Album „Winchester Cathedral“. Pop hier im Sinne von leichter zugänglichen, fesselnderen, größeren Melodien. Indieherzen wurden damit jedoch nur wenige gebrochen. Die Spitzenplätze der Mixtape-Charts belegen andere Bands.
Auch „Visitations“ wird daran kaum etwas ändern. Wäre dieses Album ein Film, ein wenig noir und unter der Regie von Andy Warhol vielleicht, würde deine Fernsehzeitung „für Genrefans“ empfehlen. Ist der Redakteur einer von ihnen, ist vielleicht sogar ein blaues Sternchen – der Geheimtipp – drin. Andere werden bemängeln, dass man „Visitations“ erst viermal schönhören muss und nach dem siebten Mal gar nicht mehr recht weiß, warum eigentlich. „Family“, der Opener, ist laut Presseinfo ein „Tanzflächenfüller“. Der verzerrte Stampfer bleibt auch nicht schüchtern in der Ecke stehen, aber discotauglich ist das nur, wenn Nick Cave Indieboy ist. Danach „Animal Human“. Kula Shaker im John-Cale-Mix, Morricone inklusive – für Liebhaber. Erst auf der Single „Harvest“ findet Ade Blackburns Gollum-Stimme den perfekten Song. Ein Schatz, der sogar auf Arcade Fires „Funeral“ glänzen würde. Song Nr. fünf dann – lebt und ist Punkrocker, stört aber im Gesamtkontext wie Vergleichbares auf Phoenix-Alben. Auf der zweiten Hälfte der Platte lässt sich dann noch das großartige „Children Of Kellog“ (mit, äh, sägender Säge) entdecken sowie drei kapitale Halbhymnen und mindestens fünf Links in die Popgeschichte – pro Song freilich. Referenzen-Schnitzeljagd. Zwar führt sie durch einen dichten, gespenstischen Wald, den die meisten anderen Gruppen gar nicht erst betreten würden, jedoch immer entlang der ausgetretenen, sicheren Pfade.
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