BEWERTEN
 

Isobel Campbell

»Milk White Sheets«

[V2 / Rough Trade / VÖ: 20.10.2006 ]

Text: Marion Eberl

Besuch aus dem Land hinter dem Regenbogen: Mit „Milk White Sheets“ wiegt uns Isobel Campbell in den Traum von einer längst vergangenen Zeit, irgendwo zwischen Himmel und Erde. Während das erst kürzlich gemeinsam mit Mark Lanegan veröffentlichte Album „Ballad Of The Broken Seas“ von klassischen Country-Einflüssen und düsterer Melancholie geprägt ist, ließ sich die ehemalige Sängerin und Cellistin von Belle & Sebastian bei ihrem zweiten Soloprojekt von britischen Folk-Traditionen inspirieren. Neben dem Soup-Dragons-Gitarristen Jim McCullough arbeitete sie dabei auch mit James Iha, Mitglied bei Perfect Circle und zuvor Smashing Pumpkins, zusammen. Auf „Milk White Sheets“ fließen neue Kompositionen und Interpretationen alter Folk-Balladen ineinander. Im warmen Akustikklang von Gitarre, Cello und Violine zerschmelzen kleine Melodien wie Honig und entwickeln den hypnotischen Sog traditioneller Wiegenlieder. Glocken, Flöte, Mundharmonika oder Harfe setzen Lichter, im Hintergrund werfen leise Percussionwirbel und kratzende Violinen kleine, dunkle Schatten. Die Stimmung des Albums variiert dabei in feinen Nuancen. In „James“, einem rein instrumentalen Stück, scheint man in den Streicherflächen fast die „Gute Nacht“-Rufe der „Waltons“ zu hören. Besondere Plastizität gewinnen die Songs durch die geheimnisvolle Spannung zwischen Leichtigkeit und Schwere, zwischen Sehnsucht und Erfüllung, zwischen Kind und Frau. Ein Album wie aus Marzipan! Manche, das kann man ohne Schwierigkeiten konstatieren, werden es gar nicht mögen, andere werden es allerdings nicht weniger als lieben.




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