Beck
»The Information«
[CD+DVD / Universal / VÖ: 06.10.2006 ]
Text:
christoph koch,
christoph koch
Der erste Kontakt mit dem neuen Beck-Album fand – wie es sich derzeit gehört – auf youtube statt. Nach und nach tauchte ein Clip nach dem anderen auf der Videoplattform auf und gewährte so einen Eindruck von „The Information“, dem inzwischen, sagen wir mal, zehnten Album von Herrn Hansen. Besonders schön: Zu wirklich jedem der 15 Songs wurde ein Clip gedreht, und es ist die beiliegende DVD, die den Kauf des Albums eigentlich lohnend macht. Die Videos sind bezaubernd-versponnene kleine DIY-Kurzfilme, produziert mit eBay-Equipment im Wert von 100 Dollar, so geht die Legende. Die Schwiegermutter macht das Licht, die Ehefrau besorgt Kostüme aus dem Thrift-Store, und Becks Sohn, Nichte, Freunde und Kollegen schauen für Gastauftritte vorbei. Man wird bei Beck Hansen mittlerweile das Gefühl nicht mehr los, dass er sich nicht mehr als Musiker versteht, sondern als eine Art Kurator. Sammeln und fördern. Das merkt man nicht nur den Liedern an, in denen unablässig zusammengestellt, gestückelt und geschichtet wird – was spätestens bei Handyklingeln und anderen Störgeräuschen nervt. Nein, Beck beauftragt auch eine Handvoll amerikanische und europäische Designer, Stickerbögen zu entwerfen, mit deren Aufklebern sich das Blankocover individuell gestalten lässt. Neben der Video-DVD also die zweite Maßnahme gegen MP3-Downloads, BitTorrent und CD-Brenner. Clever, ebenso wie die Musik, die Beck mit Nigel Godrich („Sea Change“, „Mutations“ für Beck; „OK Computer“ und „Kid A“ für Radiohead) kompon... Verzeihung, kuratiert hat. Trotzdem, der ganz große Wurf ist „The Information“ nicht: Beck schafft es zwar, in jedem der neuen Stücke gleichzeitig hoffnungslos Slacker-anachronistisch und erhaben zeitlos zu klingen. Zukunftsweisend jedoch leider nicht mehr.
PS: This just in: Wie amerikanische Zeitungen berichten, geht Becks Rechnung nur halb auf. In England darf sein Album nicht in den Charts gelistet werden, da die Aufklebersets eine „unfaire“ Dreingabe gegenüber weniger gut ausgestatteten Veröffentlichungen darstellten. Alberneres hört man ja auch selten.
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