BEWERTEN
 

Louie Austen

»Iguana«

[Klein Records / Rough Trade / VÖ: 20.10.2006 ]

Text: Florian Obkircher

Da soll noch einer sagen, das Alter hüte vor Veränderungsdrang und fördere den Wunsch nach Eintönigkeit. Ausgemachter Blödsinn, Louie Austen beweist das Gegenteil und verwirklicht das, was sich die Altvordern insgeheim schon immer wünschen. Der betagte Electro-Crooner führt ein glamouröses Leben und wechselt nicht nur die Revers-Rosen wie Hotelzimmerschlüssel, auch in Sachen Brötchengeber hat der Wiener Entertainer bewegte Tage hinter sich. Binnen kürzester Zeit wechselte er von Universal zum Londoner Hipster-Label Tirk, wo unlängst seine Best-of-Platte erschien, um nun bei Klein Records zu reüssieren. Neue Produzenten, neues Glück sozusagen. Auf „Iguana“ umgibt sich Austen mit Studiohexern wie Phonique und DJ Friction, die seine sonore Stimme in wunderbar glitzernde Housetunes kleiden, ihn zum melancholischen Disco-Romantiker aufsteigen lassen, der sein Nightlife-geprägtes Seelenleben am Dancefloor ausbreitet. „Glamour Girl“ knüpft stimmungsvoll an „Hoping“ an, „Boom Boom“ weckt Moroder-Reminiszenzen, und die hervorragende Christopher-Just-Coverversion „Disco Dancer“ wird zur Funk-geladenen Streicherhymne. Das alles geht runter wie geschüttelter Martini, ist allerdings so aufrührend wie ein netter Abend an der Hotelbar. Louie Austen weiß aber seinen Novelty-Schmäh so einzusetzen, dass er eben in beiden Welten geliebt wird: im Underground-Club gleichermaßen wie beim Ärztekongress. Und gerade in dieser Ambivalenz spiegelt sich auch seine Rolle als Leguan im Streichelzoo des hochpolierten Popgeschäfts.




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