Spearmint
»Paris In A Bottle«
[Apricot / Rough Trade / VÖ: 11.08.2006 ]
Text:
Thomas Markus,
Thomas Markus
Minze wird in England ja bekanntlich als Allheilmittel für verhunztes Essen verwendet. Fragt sich nur, ob man dadurch nicht alles noch um einiges schlimmer macht. Doch das ist Geschmackssache. Womit wir auch schon beim Thema Musik sind. Der Sound von Spearmint ist so englisch wie ihr Name. Post-Britpop liest man im Zusammenhang mit dem Bandnamen immer wieder. Kann man so stehen lassen. Sind auch alle dabei, die in der Ära zu Ruhm und Geld gekommen sind: Neben schrulligen Pulp-Allüren stehen durchgeschlagene Oasis-Riffs und ein wenig Experimentierfreudigkeit à la Albarn und Co., obwohl Spearmint nach eigener Aussage die Einflüsse etwas früher anberaumen und Blondie und New Order zu ihren Ideengebern küren. End-80er-Anorak-Pop ist den Herren sicherlich genauso ein Begriff wie Northern Soul. Kurz: Inspiriert wurden Spearmint quasi vom Geschehen direkt vor der Haustür. Ob nun Prä- oder Post-Britpop, dem Sound von Spearmint haftet ein viel prägnanteres britisches Moment an: etwas Rudimentäres, etwas Proletarisches, etwas, das den Exzess-gierigen Protagonisten in Irvine-Welsh-Romanen zu Eigen ist. Sänger Shirley Lee (ein Name wie für den NME gemacht) singt über den Geschmack von Alkohol im Mund am Morgen danach und über das Zusammensuchen der Klamotten, wenn man in einem fremden Bett aufgewacht ist. Es wird sich geliebt und wieder entliebt, und man er- und verkennt sich auf schwarzhumoristische Art und Weise („My Girlfriend Is A Killer“). Man scheitert im großen Stil, lernt nicht daraus und bekommt im Gegenzug den Stoff für eine Platte auf dem Präsentierteller geliefert. „This album is about being in your late twenties and not having a clue what are you doing with your life ...“, so steht es im Inlet der CD. Genau wegen dieser vorgeschobenen inhaltlichen Ziellosigkeit bleibt „Paris In A Bottle“ ein wunderbar gerades Album, auf dem einfach nur drei große Letter prangen sollten – POP. Pop von der Insel. Und zwar in Reinkultur. Da muss man doch mal nachfragen dürfen. Und zwar bei Shirley direkt:
Es ist 2006, und ihr seid immer noch die feine kleine Indie-Pop-Band von nebenan. Ist das toll, oder wünscht man sich eigentlich doch viel mehr?
Es ist verrückt. Über so was machen wir uns keine Gedanken. Wenn du dein erstes Album vorlegst, denkst du vielleicht über dein Star-Potenzial nach. Aber das geht vorbei. Und du bist einfach nur froh, wenn du Musik machen kannst und auch Platten und Touren. Ich glaube, wir könnten unseren Sound auch nicht auf kommerziellen Erfolg trimmen, selbst wenn wir wollten. Uns selbst zu bestimmen ist einfach das Beste an unserer Situation.
Und was ist mit diesem ewigen Ding, dass Spearmint so big in Japan sind? Stimmt das?
British Popmusic hatte ja schon immer einen Stein im Brett in Japan. Kommt wohl noch von den Beatles. Wir machen jedenfalls auch – mit Verlaub – uplifting Pop, und viele Japaner gehen eben drauf ab.
Hinter dem Sommerfeeling klingt „Paris In A Bottle“ sehr tricky. Hattet ihr diesmal mehr Zeit?
Wie haben 18 Monate, ach, zwei Jahre an diesem Album gesessen. Auf den ersten Blick soll es poppig sein, aber wenn du dich damit beschäftigst, ergeben sich immer neue Facetten
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