BEWERTEN
 

Kid Congo

»Solo Cholo«

[Trans Solar / Pias / Rough Trade / VÖ: 26.01.2007 ]

Text: Martin Büsser, Martin Büsser

Kid Kongo Powers hat es immer in die dunklen Ecken getrieben. An Orte, wo auch tagsüber kein Licht durchdringt. Wer nach The Gun Club, den Bad Seeds, den Cramps und Die Haut noch immer mit beiden Beinen fest auf dem Boden steht, hat eine bewundernswerte Kondition oder ist all die Jahre über ein begnadeter Poser gewesen. Kaum ein Musiker hat sich über Jahrzehnte so zielsicher stets in jenen Rock-Gefilden herumgetrieben, die wirklich verrucht waren. Das färbt auch heute noch auf Kid Congos Musik ab, die den Rauch von unzähligen Kellerclubs ausatmet und doch an zahlreichen Stellen wie ein ironisches Selbstzitat klingt, das der dunklen Rock’n’Roll-Attitüde ihren Ernst nimmt.

Die Partikel von einst, Gothic-Spuren, Swamp-Elemente und urbaner Blues, über die Kid Congo mit unverkennbar tiefer und auf verlebt getrimmter Stimme brabbelt, werden geschickt mit elektronischen Sounds untermalt, die das Ganze stets davor bewahren, in einer schummerigen Bar-Atmosphäre hinwegzudämmern. Die Streuner-Ästhetik von Tom Waits erhält hier eine humoristische Komponente, die verdeutlicht, dass es sich bei all dem Verwegenen, das mit dem Namen Kid Congo in Verbindung gebracht wird, in erster Linie um ein Image handelt. Aus diesem Grund ist „Solo Cholo“ auch nie ausschließlich cool – da mag Kid Congo sich noch so sehr mit aus dem Mundwinkel hängender Kippe ablichten lassen –, sondern voller gelassenem Wissen um Rock als Coolness-Konstrukt. Zu wissen, dass alles nur ein Spiel ist, unterscheidet Kid Congo von jenen Rockern, die man gerne mal als „abgehalftert“ bezeichnet.



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