BEWERTEN
 

Sophie Auster

»Sophie Auster«

[Actes Sud / Naive / Indigo / VÖ: 22.09.2006 ]

Text: Sebastian Ingenhoff, Sebastian Ingenhoff

Sophie Auster ist in der Tat die Tochter von Paul Auster und war zum Zeitpunkt der Aufnahmen ihres Debütalbums gerade mal sechzehn Jahre alt. Mittlerweile ist sie neunzehn. Jetzt mag der auf Distinktion bedachte Popconnaisseur natürlich voreilig spötteln und zynisch drauflosschießen, von wegen: berühmter Papa, atemberaubend schönes Mädchen, gekaufte Band, fertig ist die Instant-Platte. Sagen wir mal so: Dieser Schuss wäre ungefähr 500 Meter am Bug vorbei. Sophie Auster hat nämlich gerade eine ziemlich verblüffende Platte in die hiesigen Läden gestellt. Gut, der Papa hat ihr ein bisschen geholfen bei der Textauswahl, und die Instrumente hat sie natürlich auch nicht alle selbst gespielt. Die Musik stammt von der Band One Ring Zero, wobei diese noch nicht einmal von Auster angebettelt werden musste, doch bitte die Platte seiner Tochter zu produzieren, sondern umgekehrt, die Band kam an und bat den Schriftsteller, ein paar Texte bereitzustellen, welche man dann vertonen würde.


So kam es zur Zusammenarbeit mit Sophie, die ihre ersten schauspielerischen Erfahrungen bereits im Kindesalter sammelte, in „Lulu On The Bridge“ mit Harvey Keitel. Deren künstlerischer Input beschränkt sich wohlgemerkt nicht auf die Zurschaustellung ihrer Person und dieser wahnsinnig voluminösen Stimme, deren Charme gerade darin besteht, auch mal einen halben Ton daneben zu liegen. Sie hat die Sängerfigur Sophie Auster größtenteils selbst entworfen und landete damit prompt auf dem Cover des spanischen Rolling Stone. Als musikalische Haupteinflüsse gibt sie Tom Waits, Kurt Weill und Fiona Apple an.

Die Grundidee ist recht simpel: Man bedient sich bei den Dichtern der europäischen Moderne, übersetzt deren Texte ins Amerikanische und deklamiert diese in einer Art melancholischen Vaudeville-Inszenierung. Europäische Moderne meint hier natürlich nicht irgendeine bildungsbürgerliche Thomas-Mann-Huberei, sondern die (anti-) literarische Avantgarde der Zwanziger, genauer gesagt die französischen Dada- und Surrealisten. So befinden sich auf der Platte sowohl Texte von Sophie und Paul Auster als auch Übersetzungen von Tristan Tzara, Paul Eluard, Phillipe Soupault, Robert Desnos und Apollinaire. Diese werden untermalt von filigranen Chansons, bei denen auch mal Akkordeon und Glockenspiel zum Einsatz kommen, ohne dabei arg ins Kitschige abzurutschen. Diese Songs klingen teilweise so sehr nach Paris, dass man fast Lust bekommt, wieder mit dem Rauchen anzufangen. Der schönste surrealistische Text auf der Platte heißt „The Door“ und stammt aus der Feder von Sophie: „I opened the door to see what was inside, I saw a child was dreaming and he was screaming (...) I tried to rush to his side but my feet stopped moving (...) My sanity grew thin, grew thin, the child stopped screaming, I saw him leave the room and I was the one who was screaming, bound so tight I couldn’t breathe, I knew there was nothing left.“ Irre, oder?



Artikel kommentieren
 
  • Mehr Infos

  •  
  • Diese User besitzen die Platte

  •  
 
 

Social Network Login




Logge dich schnell und einfach mit deinen Social-Network-Zugangsdaten bei uns ein.
 
 
  • WEITERE PLATTEN

  •  
 
  • ÄHNLICHE PLATTEN

  •  
 

Platten vor Gericht: Highlights

Platten vor Gericht: Highlights

Die wichtigsten Alben des Monats - und die härteste Jury der Welt. Jetzt mitmachen! [...mehr].

 

Platten der Woche

Platten der Woche

Die wichtigsten Neuerscheinungen im Überblick! [...mehr]

 
  • THREADS ZU DIESEM ALBUM

  •