Die Rote Suzuki / Pascow & Champagner Gloystein & Bagio & Turbostaat
»Split-7-Inch (+ Fanzine) & Dolly 7-Inch & II & Haubentaucherwelpen«
Text:
linus volkmann
[2 Kommentare]
Soundmäßig am wenigsten classic in diesem Ausschnittsbilling des Punkrock-State-of-the-Art ist sicher Bagio. Hier handelt es sich um die aktuelle Band von Muck Giovanett, einst als Teer Gleene Muck Star der Hamburger No-Star- bzw. Noise-Star-Szene und u. a. bei Hrubesch Youth und Happy Grindcore aktiv. Bagio, das er mit Uwe Bastiansen (u. a. mal bei Station 17 und Abwärts gewesen) betreibt, nutzen diesen Duo-Effekt beseelt aus. Ähnlich wie Urlaub In Polen oder einst Helgoland. Instrumentale Jazz-Punk-Miniaturen von teilweise doch erheblicher Länge und in ungeraden Rhythmen. Fürs Juze zu alt, für den Jazzkeller zu vital. Dazwischen lässt es sich doch leben.
Auch nicht wirklich wertorientiert Punk sind Champagner Gloystein, zwei recht skelettierte knappe Songs stellt ihre Single aus. Eher The-Jam-englisch als Euro-schnorrende-deutsche-Fußgängerzone. Auf den Boden der Tatsachen holt allerdings die Split-EP der Roten Suzuki und Pascow zurück. Können Letztere bei den zwei Coverversionen (von Lattekohlertor und Atom & His Package) wenn schon nicht glänzen, aber zumindest nicht nerven, ist die Mopedgruppe das Zerrbild von Provinz-Deutschpunk im Jahre 17 nach dem Boxhamsters-Urknall. Dödelige Emo- und Nicht-Texte mit Floskeln aus der Resterampe von Muff Potter („den Koffer voll Ideen gepackt“), der Wunsch, endlich mal über die Loser bei Domians Call-in-Show lachen zu dürfen, und viel verschnarchte Kritik an der Verblödungsmaschinerie TV. Nichts, was dein Sozialkundelehrer nicht auch alles unterschreiben würde. Schade, aber so wird das nichts, Jungs. Dann doch lieber das Studium durchziehen und die richtigen Platten hören, statt die falschen aufzunehmen. Diverse Momente hat dagegen das Fanzine Disco PS, das der Single beiliegt. Wunderbar das ellenlange Rezept zu Gluten. Eine vegane Köstlichkeit aus Mehl und Kranwasser, die in ihrer Unattraktivität ein äußerst cooles Gegenstück liefert zum scheiß Schön-Essen und zu all den Hochglanz-Pop-Kochsendungen der Zeit.
Ach ja, und dass man mit dem Erbe von EA80 und Boxhamsters nicht per se untergehen muss, sondern darauf aufbauend richtig einwandfreie Hits rausleiern kann, beweist eindrucksvoll die „Haubentaucherwelpen“-Single von Turbostaat. Meiner bescheidenen Meinung nach klangen die nie geiler als hier. Textlich steht man sogar dem ehemaligen Labelmate Oma Hans, also der Queen Jens Rachut, kaum noch nach.
Die Rote Suzuki / Pascow
Split-7-Inch (+ Fanzine)
Kidnap Music
Champagner Gloystein
Dolly 7-Inch
Fidel Bastro / Broken Silence
Bagio
II
X-Mist
Turbostaat
Haubentaucherwelpen
Schiffen / Indigo
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xbatmanx 19.09.2006 | 22:47:32
Boah, Linus! Vielleicht solltet Ihr einfach gar keine Punkplatten rezensieren. Den ganzen Kram aus dem Norden hypen, is doch auch einfach zu einfach...






