BEWERTEN
 

Instant Wilkie

»Big In Japan«

[Lichterkettenraucher]

Text: Alexander Lazarek, Alexander Lazarek

Hallo TripHop, alter Freund, gibt’s dich also noch. Wo hast du dich denn rumgetrieben, und darf man dich überhaupt noch TripHop nennen, alter Sample-Eintopf? Und wie war das noch mit diesen Kochrezept-Rezensionen von wegen „Man koche gut abgehangene Schlüsselmomente aus Soul, Funk und Disco auf, schmecke mit ein paar stimmungsvollen Assoziativ-Storys ab und serviere gut gelaunt auf der gemütlichen Raucher-Couch“? Schön war das damals in den 90ern, als Kirmes, Lee Buddah, Lotte Ohm, Fischmob, Stachy, Gautsch, Dauerfisch, Plattenmeister und Bungalow Records diese stimmungsvolle Landstraße entlangtaperten und auf den Komm-Küssen-Samplern gefeaturt wurden. Lotte Ohm heißt nach sechs Jahren Veröffentlichungspause auf seinem fünften Album Vincent Wilkie und tritt mit „Big In Japan“ die immer aktuelle Reise in die Downbeat-Vergangenheit an. Das ist heute natürlich doppelt retro, aber letztlich immer noch hochgradig anwendbare Musik, die auf Songtitel wie „Le Funken“, „Vibes“ oder „Oh Yeah Disco Implosion“ hört. Entspannung is still beautiful und ein freundliches Sofa aus Dub, Pop und Jazziness mit akustischer Gitarre und Weisheiten über Liebe, Religion und Abenteuer, zurückgelehnter denn je. Was auch immer das heterogene Genre Downbeat damals war und heute ist, das Möbel funktioniert noch viel zu gut, um es auszumustern, und der Refrain „Sagt mal Leute, hat euch keiner gesagt, dass Deprorock keine Partymusik ist?“ darf gerne der T-Shirt-Spruch für den Herbst 2006 und danach sein. Willkommen zu Hause, Vincent.




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