BEWERTEN
 

Nicky Wire

»I Killed The Zeitgeist«

[Red Ink / Rough Trade / VÖ: 22.09.2006 ]

Text: Wolfgang A. Müller, Wolfgang A. Müller

So einfach geht das natürlich nicht. Da lacht ja die Koralle! Aber wenn er ihn schon nicht aus den Schuhen gehauen hat, schlägt Nicky Wire dem Zeitgeist zumindest ein Schnippchen. Vollmundige Parolen haben durchaus Tradition im Haus: Wire ist Bassist der Manic Street Preachers. Die machen momentan Pause bzw. Aktivurlaub: Während Frontmann James Dean Bradfield gerade seinen Solo-Ausflug präsentierte, ließ sein Kollege derweil in einem anderen Keller die Seele baumeln und fünfe mal gerade sein. Gegen das super-fantastische Lehnwort im Titel führt er die Rückbesinnung auf einfache, raue Strukturen und eine nassforsche Vierspur-Ästhetik ins Feld.

Experiment und Skizze, Kraut und C86 statt Mega-Band-Krempel ergeben einen unverhofften und unverhofft kurzweiligen Trip in jene Besenkammern des Indie-Rock, in der die Herzstücke lagern. In manchmal rührend hilflos anmutendem Gesangsstil führt Wire eine Inventur des Eigentlichen durch, meistens als Fackelträger, selten aber auch als Armleuchter: Gedichte, Krach, rumpeliger Pop mit schnaften Hooks, Ausreißer in beschämende oder zwiespältige Gefilde inklusive. So einfach geht das eben doch manchmal. Fans mögen mir den Satz verzeihen: Ausnahmsweise bin ich auf das nächste Manics-Album gespannt.



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