BEWERTEN
 

Stephan Beaupré

»Foe Destroyer«

[Mutek / MDM]

Text: Thomas Venker

Über Sex kann man nur auf Englisch singen; und wenn man über Minimal-Platten schreibt (in welcher Sprache auch immer), fallen meist komische Checker-Begriffe, die meine Oma nicht mehr versteht. Daher sei hier statt über einfach mit Minimal gesprochen. Stephan Beaupré, ich habe da drei Fragen:

Deine Platte kommt bei Mutek Records raus. Wie stehst du zu dem Festival-Kollektiv, das auch als Label aktiv ist?

Mutek spielte eine entscheidende Rolle, um Montreals Minimalmusic-Scene zu einem Trademark zu machen und vor allem überhaupt erst mal ihr Profil zu schärfen. Ich kann mir kaum vorstellen, dass es hier für viele der Produzenten ohne das Festival als Backbone so explodiert wäre. Aber das war sicher auch ein Geben und Nehmen. Denn man könnte sich die Festival-Foundation ja genauso wenig vorstellen ohne derart talentierte Künstler wie Akufen, Egg, Deadbeat, The Mole und andere. So ergab sich diese Synergie, die sich dann ausdehnte und die Montrealer Szene in Europa, Asien und Südamerika populär machte. Entscheidend für mich ist, dass sich dabei etwas Familiäres, Kameradschaftliches entwickelt hat. Also nicht, wie man erwarten würde, eine immer kühlere Geschäftsmäßigkeit.


Du arbeitest auch auf der neuen Platte sehr viel mit der Cut-up-Technik, dafür ist ja vor allem auch dein Kumpel Akufen bekannt. Was fasziniert dich daran?

Ich schätze am Sequencing und Cut-up-Sampling, dass man sich quasi rückwärts auf ein Ziel zu bewegt. Wobei ich sagen muss: Das ist ein sehr offener Prozess. Oft verwerfe ich beim Arbeiten genau das, womit ich angefangen habe auf dem Weg hin zu einem neuen Track. Mich fasziniert über den unvorhersehbaren Entstehungs-Prozess hinaus vor allem die Unendlichkeit des Materials. Ich meine, die Technik ist beschränkt, jeder hat Zugang zu ihr, und irgendwann verliert sie immer ihren Novelty-Appeal. Es geht eher um die Auswahl der Quellen und wie man sie in neuem Anstrich zum Klingen bringt. Beim Cut-up ist es genauso. Du musst sorgsam wählen und alles so zusammenfügen, dass es Reiz und Approach hat, dabei aber nicht zu Offensichtlichkeit verkommt.

Hat dein anderes Standbein, also Deadbeat, eigentlich noch eine Zukunft?

Also, vor allem möchte ich noch ein weiteres Soloalbum machen. Das hier war das erste, und ich habe dabei einiges gelernt. Vor allem auch, was ich beim nächsten Mal anders machen werde. Darüber hinaus freue ich aber auch auf weitere Aktivitäten mit Deadbeat. Das steht auch schon bald an. Wir haben uns beide da ein wenig rausgezogen für unsere Solo-Aktivitäten, aber ich hoffe, nächstes Jahr wird es auch da was Neues geben.



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