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Mouse On Mars

»Varcharz«

[Ipecac / Southern / VÖ: 29.09.2006 ]

Text: Christoph Büscher, Christoph Büscher

Ein Besuch bei Myspace zeigt: Noam Chomsky ist ein Freund von Mouse On Mars. Oder ist es eher umgekehrt? Der virtuelle Link zeigt allerdings nur auf eine Chomsky-Fanseite, denn dass der 77-jährige Anarcho-Linguist Besseres zu tun hat, als sich im Web 2.0 zu tummeln, überrascht wohl kaum. Trotzdem passt das schön zu „Varcharz“, denn der Titel des inzwischen neunten MOM-Albums ist wieder eines dieser phonetischen Spielchen, die Andi Thoma und Jan St. Werner so lieben. „Wortschatz“ soll er laut Info ausgesprochen werden, denn MOM deklinieren hier ihr musikalisches Vokabular auf gewohnt radikale Weise.
Nach dem erklärt poppigen Vorgänger „Radical Connector“ ist „Varcharz“ eine eher sperrige MOM-Platte.

Doch das Release auf Mike Pattons Freischärler-Label Ipecac steht ihr gut. Gleich auf „Chartnok“, dem ersten der neun Tracks, bügeln MOM ihre Maschinen so kräftig gegen den Strich, dass die Funken fliegen. Bei „Igoegowhygowego“ findet das fröhlich flirrende Chaos zwar eher in zweiter Reihe, hinter einer Fassade aus robusten Beats, statt, doch mit „Düül“ gibt es danach das erste Über-Stück dieser großartigen Platte. Mouse On Mars setzen hier mit einer extrem bleiern verzerrten Gitarre/Bass-Kombination ein, die jeden Slayer-Fan begeistern dürfte. „Skik“ zeigt die Mäuse dagegen mit überdrehten Telespiel-Sounds von ihrer freundlich-verspielten Seite. „Bertney“ ist eine dieser patentierten, springvergnügten Flummi-Nummern, während „Ratphase“ sich in wildem rhythmischen Freestyle über zwölf Trackpunkte der CD erstreckt.
So ungestüm, wie Mouse On Mars auf „Varcharz“ klingen, haben sie so gar nichts von einer Band, die nach über zehn Jahren im Geschäft eigentlich eine gewisse Abgeklärtheit erreicht haben sollte. Und gerade das ist so toll. Dabei wird es fast überflüssig zu erwähnen, dass MOM im Vorfeld der Platte kräftig Freejazz inhaliert haben wollen. Schließlich ist der Kampf um jede Art von musikalischer Freiheit schon lange ein übergeordnetes Thema ihres Schaffens. Bei der Energie und Frische spricht zum Glück einiges dafür, dass das noch eine Weile munter so weitergehen wird.



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