BEWERTEN
 

Burial

»Burial«

[Hyperdub / Cargo / VÖ: 24.05.2004 ]

Text: georg boskamp, georg boskamp

Dass eine der zahllosen Wellenformen von Dub in dieser und mindestens der nächsten Saison mal wieder ganz hoch schwappen würde, war abzusehen. Respektlos abgelegt wie ein dreckig gewordenes Mäntelchen von den rastlosen Baller-Vampiren der gern mal imperialistisch agierenden Club-Teutonik und sträflich missachtet von der stocksteifen Fraktion der besserwisserischen Reggae-Gralshüter, hat sich das stetig morphende Echokammer- bzw. Delaywesen in unzähligen Arten sowie auf noch mehr Weisen konstant durch die Weltgeschichte multipliziert. Um nun als noch mal massiv tiefer gelegtes Post-Grime- und 2Step/Garage-Survivalkit für Fortgeschrittene auf den Tanzflächen und Plattentellern der nächsten Generation zu landen. Voilà und Déjà-vu: Es schließt sich genau hier (also im seit jeher stark Reggae-fizierten Brixton) der Kreis, der Ende der 80er seinen Anfang in Bristol nahm. Der von dort via Massive Attack und Smith & Mighty anno 1995 mit Rockers Hi-Fi Richtung Birmingham schlurfte, in Wien ganz nebenbei Update-Styles wie den von Stereotyp ins Spiel brachte – um sich, ganz konsensmäßig, bis in die Techno-sozialisierten Umlaufbahnen von Rhythm & Sound / Basic Channel fortzupflanzen. Die Essenz von Dub-Reggae und 21. Jahrhundert also, verpackt in zähflüssigstes Zeitgel. Gepaart mit trickreichem Lo-Fi-Gefilter, träge rumpelnden Morphbeats, einem vernebelten Blick zurück nach vorn sowie ein ganz paar kryptischen Vocalschnipseln. Genremäßig als Dubstep in eine wahrscheinlich viel zu kleine Schublade gesteckt, ist dies hier nun das erste (wahrlich wegweisende) Artist-Album des nicht mehr ganz so neuen Phänomens. Wer das „düster“ findet, braucht unter anderem ganz sicher ein Set neue Ohrmuscheln.



Alle Eckdaten stimmen: veröffentlicht auf dem superhippen Label der UK-Genrekings Kode 9, zusammengeschraubt von zutiefst mysteriösen Producern im Hintergrund, ein illustrer Herr namens Spaceape als geisterhafter Master Of Ceremony – und die Musik so seelenvoll, so zutiefst melancholisch in all ihrem superkonsequenten Minimalismus, dass man vor Freude heulen könnte. Obendrein selbstredend indie as fuck. Da sollten wir dem guten alten Jah aber mal ein ganz fettes „Danke“ reinreichen, liebe Kinder. Und nicht wieder willenlos den nächsten fixen Hype durchwinken, sondern Dub als selbstverständlich und zeitlos genießen. So großartig jedenfalls klingt er anno 2006. Unter anderem.



Artikel kommentieren
 
  • Mehr Infos

  •  
  • Diese User besitzen die Platte

  •  
 
 

Social Network Login




Logge dich schnell und einfach mit deinen Social-Network-Zugangsdaten bei uns ein.
 
 
  • WEITERE PLATTEN

  •  
 
  • ÄHNLICHE PLATTEN

  •  
 

Platten vor Gericht: Highlights

Platten vor Gericht: Highlights

Die wichtigsten Alben des Monats - und die härteste Jury der Welt. Jetzt mitmachen! [...mehr].

 

Spalter: Platte und Film des Monats

Spalter: Platte und Film des Monats

Das Intro-Streitgespräch: Jeden Monat eine neue Platte, ein neuer Film und unterschiedliche Meinungen. [...mehr]

 
  • THREADS ZU DIESEM ALBUM

  •