Pendikel
»Don’t Cry Mondgesicht«
[blunoise / Al!ve / VÖ: 06.07.2007 ]
Text:
linus volkmann
Ich schwöre bei dem Leben deiner Eltern, ich habe die Rezension in der Spex zu diesem Album nicht gelesen. Nur gehört, es sei dort sogar die Platte des Monats geworden. Irre – hey, warum nicht? So, und nun, ohne diesen gegnerischen, äh, anderen Text über „Don’t Cry Mondgesicht“ (was für ein wunderbarer Titel) zu kennen, möchte ich wetten, dass zwei sehr schwer wiegende Referenzen gefallen sind, sein müssen! Einmal Ostzonensuppenwürfelmachenkrebs und auf der anderen Seite Kolossale Jugend. Falls das nicht der Fall sein sollte, müsste ich mich mal ganz lang wundern bzw. hätte der Kollege oder die Kollegin doch eine sehr, sagen wir mal, originelle Popweltsicht. Okay, sicher mag es von diesem Text hier nun eher unoriginell erscheinen, gleich kunstfeindlich derartige Bezüge aufzumachen und die Einzigartigkeit einer Band zu untergraben, aber das Schicksal Pendikels ist – trotz oder wegen vier Alben in zehn Jahren auf blunoise – nun mal eine sehr unterrepräsentierte Wahrnehmung. Mit anderen Worten: Die Osnabrücker Band kennt kein Schwein. Also außer den Checkerschweinen. Die kennen ja immer alles. Aber Pendikel sonst – Fehlanzeige. Das mochte für die ersten Alben „Fu ruft Uta“ und „Phantasievoll (aber unpraktisch)“ ja noch nachvollziehbar sein, waren sie doch arg sperrig und an vielen Stellen so selbstgefällig in ihrer Sprödheit, dass der geneigte Normalo eher draußen stand, statt eingeladen zu werden. Aber mit „3“ änderte sich das ziemlich schlagartig. Nach einer recht langen Pause hatten Pendikel als Band ihr Herz entdeckt und die Subversion der persönlichen Ansprache. Die soundmäßige und rhythmische Dringlichkeit früher Tage wandelt sich auf „3“ und vor allem auch auf diesem Album in eine ganzheitliche Dringlichkeit. Weniger Show-off, mehr Essenz, sagen wir in unserer Werbersprache – und haben damit zu allem Hohn sogar Recht. Wobei Songs wie „Gewinner“ auch noch die alte Vertracktheit mit sich führen, so ist es ja nicht. Aber dennoch hat sich der Tonfall derart einschneidend geändert, dass man sich Band und Platte an keiner Stelle entziehen kann. Egal, ob sie nun ätzend und sinister formulieren (wie auf „Gewinner“) oder diese unheilvolle, aber ergreifende Zartheit („Falsche Freunde“) aufbieten. Pendikel sind klammheimlich zu einer super Band gereift. Vielleicht etwas zu gut und undumm für das big Picture des Deutsch-Pop. Aber dieses Schicksal mit zum Beispiel den Ostzonensuppenwürfeln zu teilen ist doch auch nicht unehrenhaft. Wird man eben von wenigen dafür qualitativ mehr geliebt.
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