Paperbird / Go Die Big City!
»Peninsula / 7-Inch«
[CD bzw. 7-Inch / Beide www.seayourecords.com]
Text:
Christian Steinbrink,
Christian Steinbrink
Zweimal Wien, die Kurze zuerst. Denn die Geschichte um die Go-Die-Big-City-7-Inch ist schnell erzählt: nämlich mit vier Songs, die ungemein nach vorne gehen wollen, aber nicht um jeden Preis. Und deshalb verzichten sie auf laute Verstärker, Effekte und ganze Drumkits und belassen es bei Geklöppel, Ziehharmonika, Blockflöte und leisen Gitarren. FM4 hat wohl schon Lunte gerochen; inwieweit die Band noch größere Kreise ziehen wird, ist unsicher. Gerade jetzt, wo doch jeder wieder den fetten Gitarrensound haben will. Aber ich wette, dass ihnen das ziemlich schnurz ist. Denn sie wollen nur spielen.
Etwas hingebungsvoller entwickelt sich “Peninsula”, das Album von Anna Kohlweis a.k.a. Paperbird. Denn sie führt ihren Folk durch zehn sehr komplex strukturierte Songs und begleitet sich weitgehend selbst auf der akustischen Gitarre. Bemerkenswert sind vor allem ihre Gesangsharmonien, für die sie zweite und dritte Stimmen arrangiert und eingesungen hat und die ausgezeichnet funktionieren. Damit entwickelt sie einen ähnlich betulichen Gestus wie z. B. Ani DiFranco, lässt aber auch hin und wieder atmosphärische Untiefen wie bei Cat Power erahnen. Es gibt Stellen, an denen das Ganze etwas dünn wirkt, ein Umstand, den ich mir aber auch gut als Stilmittel erklären kann. Wie diese Beschreibung vermuten lässt, ist das Album zwar wenig Aufsehen erregend, glänzt aber in vielen Momenten mit ganz feinen Kniffen, die deutlich machen, dass die Kohlweis mehr ist und mehr kann, als sich nur mit ihrer Gitarre hinzusetzen und zu klimpern. Ich jedenfalls freue mich über diese Platte.
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