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Chad VanGaalen

»Skelliconnection«

[Sub Pop / xx / VÖ: 10.09.2002 ]

Text: Martin Riemann, Martin Riemann

Das Element der Unfertigkeit ist eine heikle Angelegenheit. Meistens gehen fehlende Stringenz und der Mangel an eindeutigen Zuordnungsmöglichkeiten nach hinten los. Gerade Soloprojekte leiden oft unter der Krankheit, nicht wirklich ausgereift zu sein und zu wenig eigenen Charakter zu haben. Es fehlt eben der Kontrollmechanismus Band, der einen in eine bestimmte Richtung drängt. In seltenen Fällen ist es aber gerade das Skizzenhafte, das einem Album zu uneinholbarer Grandiosität verhilft. “Skelliconnection” ist so ein Album. Chad VanGaalen stellt damit sein zweites Sammelsurium selbst hergestellter Songjuwelen vor, und man merkt, dass der Kanadier hier aus einem riesigen Repertoire an Stücken schöpfen konnte.

Anders wäre die überdurchschnittliche Qualität, die über die gesamte Länge des Albums durchgehalten wird, auch nicht zu erklären. Dieser Mensch muss besessen sein! “I’m never going to sleep”, singt er dann auch in “Gubbish”. Das glaubt man ihm sofort, denn neben dem Herstellen eigener Instrumente arbeitet VanGaalen auch noch als Illustrator und stellt Animationsfilme her. Er macht wahrscheinlich alles gleichzeitig. Übers Papier gebeugt, zeichnet er eine seiner filigranen Zeichnungen und summt dabei seinen nächsten Hit auf Band. Denn Hits sind genug auf “Skelliconnection”, allerdings noch in Rohform. Man kann sich gut vorstellen, dass irgendjemand einen dieser Diamanten auswählt, um ihn für die Charts aufzupolieren. Möglich wäre das. Insofern erinnert das Album ein bisschen an “The Headphone Masterpiece”, das ebenfalls einen großen Schatz an potenziellen Megahits bot und mit “The Seed” ja auch einen lieferte. VanGaalen zeigt eine ähnlich geniale Herangehensweise wie ChesnuTT, er benutzt das, was ihm zur Verfügung steht, und macht Gold daraus. Nur kommt bei dem Kanadier ein ganz anderer Sound raus: Klingt der erste Song “Sing Me To Sleep” noch nach den zärtlichen Strukturen eines St. Thomas, wird man bei der zweiten Nummer “Flower Gardens” schon mit wirbeligem 70s-Punk überrascht. Gemeinsam ist allen Stücken das Bruchstückhafte, Filigrane, das jeweils nur einen kleinen Einblick in die Welt jedes einzelnen Songs gewährt, als würde man an einem verwunschenen Radiogerät herumspielen. Und jedes Lied ist dabei für mindestens zwei Überraschungen gut. Eine echte Goldgrube, die der Herr da mit uns teilt. Dafür sollte man dankbar sein.



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