BEWERTEN
 

Pale

»Brother.Sister.Bores!«

[Grand Hotel Van Cleef / Indigo / VÖ: 01.09.2006 ]

Text: Klaas Tigchelaar, Klaas Tigchelaar

Vielleicht das Album, das die Band schon immer machen wollte. Wie der Emo-Stempel in die Welt von Pale kam, ist nicht mehr überliefert, aber spätestens seit “How To Survive Chance”, als das Piano Einzug hielt, war ganz klar, wohin es gehen sollte. Den großen Popsong haben sie jetzt tatsächlich gemacht, und das gleich elfmal. Der erste Track “Take Me Out, Bouncers!”, als feinfühlige Piano-Fingerübung, lässt noch kurz Atem holen, bevor man loshüpfen und mitsingen muss. Aus demselben Grund, warum auch klebrige 80er-Hits einen immer noch mitreißen können: der Kern ein clever arrangierter Chorus, von einem perfekt aufgebauten Songkonstrukt umrahmt.

So geht Pale extrem gut ins Ohr, detailversessen und flächig aufgebaut, um Tasten und schlanke Gitarrenwände gruppiert, ohne auch nur kurzzeitig den Spannungsbogen aus der Hand zu geben. Und trotz des großen Pop-Appeals verwenden sie immer noch keinen Weichspüler. Wer die ersten drei Platten mochte, wird gewusst haben, dass es so kommen würde. Die fünf Herren aus Aachen haben ihren Sound dem Song untergeordnet und wirken herrlich befreit. Ob es nach vorne geht, im Mid-Tempo große Gefühle vermittelt werden oder die Gesangsmelodie eine Wende nimmt, bei der man außer “Wow!” nicht mehr viel äußern kann: Diese Platte ist nicht eingängiger als das letzte Werk, sondern einfach ein besseres Abbild dessen, was Pale vielleicht schon immer waren: eine Band mit Gespür für die große Catchiness.



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